Homepage

WU-Two und Das Leben der Anderen im Dresdner Studentenclub WU5

 

 

oder Wenn man quasi-anonym im Dresdner Studentenforum "exma" unterwegs ist

 

Michael Winkler, Dresden, November 2008/Januar 2009

 

Wer in Dresden studiert, kommt irgendwann auch mit der studentische Vereinigung Studentenforum Dresden e.V. und dessen Projekt eXmatrikulationsamt.de, einem Internetforum, in Berührung. Dieses zählt mittlerweile fast 15.000 NutzerInnen, wobei - wie bei allen Internetforen - die Anzahl der "Karteileichen" unbekannt ist. Ebenso die Anzahl jener Nutzer mit einem Doppelaccount, sprich zwei Identitäten. Im Gegensatz zu Vereinen ist es recht einfach, mehrere e-Mail-Adressen und Pseudonyme zu besitzen und exma, wie das Projekt allgemein abgekürzt wird, bzw. seinen Betreiber können auch gar nicht allen Regelverstößen nachgehen. Wobei die vorher zu stellende Frage vielleicht wäre: warum auch?

Willkommen bei exma

Wie häufig bei Vereinen gibt es auch bei exma so manche "Vereinsmeierei" ... das ist völlig menschlich, wobei exma an sich kein Verein ist, sondern ja eigentlich nur ein Vereinsprojekt ... und ein interaktives dazu. Mit anderen Worten hier dürfen Nichtvereinsmitglieder sich gern anmelden und "posten", d.h. über Gott und die Welt schreiben, Fragen stellen oder was auch immer ihnen gerade so in den Sinn kommt.

Um die möglichen Diskussionen bei manchen Themen etwas zu regeln, gibt es auch bei exma Moderatoren. Wobei sich hier bereits die erste Hürde für den neuen exma-Nutzern ergeben könnte - die Moderatoren sind nicht sofort zu erkennen und sind zu rund 50% auch anonym. Prinzipiell erwartet ja keiner Probleme mit einem Moderator, insbesondere wenn er oder sie moderat ist, doch spätestens, wenn man eine Verwarnung erhalten hat, hebt man evtl. verdutzt die Augenbraue. Beliebte Verwarngründe sind bei exma "offtopic"*, was soviel wie "Du schreibst nicht zum Thema" heißen soll und andererseits auch bedeuten kann, dass der Moderator den Sinn des Geschriebenen nicht verstanden hat. Typische Probleme bei einer Online-Kommunikation, die sich eigentlich klären ließen, wenn ...
Tja, wenn da nicht Verwarngrund Nr. 2 hinzukommen würde: "SPAM"*. Dieser Grund wird gern benutzt, wenn man Dinge persönlich, d.h. über eine persönliche Nachricht (PM) lösen möchte, der Empfänger jedoch darauf keine Lust hat. Mit anderen Worten: ich mag dich nicht, geh einfach weg. Mitunter rutschen einem Nutzer dann auch schon mal Worte wie "geh sterben oder fall tot um" raus.

Alles kein Problem, was einen nicht umbringt, härtet einen ab, würde wohl Nietzsche sinngemäß gesagt haben (wenn er es denn war). Doch fragt sich so mancher vielleicht warum dies so ist. Irgendwie lebt man doch in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit und all den Vorzügen, die man eben so hat bzw. haben kann. Bei exma dürfte es einen recht trivialen Grund für die Parteinahme mancher ModeratorInnen sein, die manche Nutzer einfach gleicher vor dem Gesetz bzw. den ForumsRichtlinien macht ... die meisten ModeratorInnen sind entweder selbst in Dresdner Studentenclubs tätig oder sind sehr stark mit den Betreibern verbunden. Nicht zuletzt bietet ja ein Studentenforum auch einen wunderbaren Werbeplatz für Studentenclubs und deren vielfältige Angebote. Eine nahe liegende Sache.

Problematisch wird es und da sind wir wieder bei Vereinsstrukturen (ist in Parteien im Übrigen kaum anders), wenn sich einige besonders hervortun wollen. Aus welchen Gründen auch immer ... ein überdurchschnittliches Bedürfnis an Außendarstellung muss nichts schlechtes sein. Erstens ist nicht jeder Robbie Williams, der mehr Presse hat als ihm vielleicht lieb ist und zweitens ist ja u.a. genau dafür das Internet da: geh nach außen und suche Menschen, die mit dir kommunizieren wollen. Und das auch bei gefühlten minus 10 Grad auf den Straßen und noch dazu weltweit und rund um die Uhr. Ein Segen für alle Kommunikationsfreudigen - auch in Dresden, wenn ...


Der Studentenclub WU5

Tja, wenn da nicht einige Studentenclubs, wie z.B. der WU5 (www.wu5.de) offenbar eine besondere Rolle spielen wollen würden. Hier wird neben dem Theater- und Poesieabendprojekt "TU in Szene", den bekannten Vogtlandfeten, Linux-Install-Parties und einem Philosophischen Kreis vor allen Dingen eins angeboten: Alkohol. Dem Artikel "Der Club in den 90ern" kann man u.a. die Zeile "Bis zu 3 Flaschen Johnnie Walker an einem Abend, und häufige Umsätze über 1000 DM waren in dieser glorreichen Periode der Existenz der Wu5 keine Seltenheit." Diese Tradition scheint auch ein Jahrzehnt später weiter zu leben, doch jetzt gibt es das Internet und exma.

Bei der Vorstellung des Clubs im exma-Netz (Link), aus der nicht hervorgeht, ob dieser Artikel nun von der WU5-internen "PR-Abteilung" oder quasi-externen Mitarbeitern von exma erstellt worden ist, möchte der Club offenbar absichtlich nebulös erscheinen. Die Club-Philosophie wird gern in drei Sätzen zusammengefasst:

1. Widerstand ist zwecklos.
2. Niemand hat die Absicht.
3. Wir versuchen die Weltherrschaft an uns zu reißen.

Eigentlich ganz nett, könnte man meinen, auch wenn es für viele vielleicht nicht sonderlich einladend wirkt. Irgendwie läuft ein Studentenclub auch so und eine zweite Heimat bietet er manchen offenbar mitunter ebenso.
 

Das Klischee vom trinkenden und "schlagenden" Studenten

Die Studiumszeit wird von einigen gern als schönste Zeit des Lebens bezeichnet und es ist auch etwas dran. Man hat Zeit über gewisse Dinge nachzudenken und abends ist Zeit für andere Dinge ... eigentlich wie im Berufsleben auch, doch da heißt das dann "Ernst des Lebens". Und einige haben offenbar mehr Zeit als andere und schreiben gern bei exma. Was prinzipiell kein Problem wäre, wenn sie andere auch schreiben lassen würden. Doch wer mehr als ein Jahr bei exma ist und zudem die etwas rauheren Umgangstöne liebt, der fühlt sich durch neue Nutzer, insbesondere wenn diese noch längere Texte schreiben, schnell auf den Schlips getreten. Plötzlich finden sich dann meist fünf bis 10 andere NutzerInnen, die abwechselnd ihre Kommentare abgeben wollen. Man versteckt sich gern hinter anderen, ohne seine eigene Meinung wirklich zu äußern. Man könnte dies auch mit Herdentrieb beschreiben. Im Berufsleben würde es an ein gewisses "Mobbing" grenzen, im Internet wird dies mitunter als "Bashing"* bezeichnet.

"Bashing" könnte man auch als eine moderne Form des Schlagens verstehen, wie es früher bei Burschenschaften üblich war und mancherorts auch noch ist. Doch verläuft ein solches Schlagen im Internet anonym und nicht immer von "Mann zu Mann", sondern quasi querbeet und mitunter recht durcheinander. Nach einer gewissen Zeit merkt man jedoch, dass es doch immer wieder die selben sind, die hier meinen schlagen zu müssen.

Fazit ... und die Moral aus der Geschicht'

Mein persönliches Anliegen, bei exma schreiberisch tätig zu werden (Artikelliste), war zum einen das Kennenlernen der Dresdner Studierenden ca. zehn Jahre nach meiner aktiven Zeit an der TU Dresden und zum anderen die Erfahrung in einem Internetforum Artikel zu schreiben und ins Gespräch zu kommen. Beides habe ich in knapp drei Monaten ausführlich tun können und auch hilfreiche Anregungen bekommen können.

Zwischenmenschlich gesehen habe ich festgestellt, dass eine oder zwei Handvoll Personen ausreichen, um ein Internetforum von mehr als 10.000 NutzerInnen rein von der Atmosphäre her zu bestimmen. Die alten Platzhirsche lassen sich ihre Futternäpfe nicht streitig machen (obwohl ich ja eigentlich gar nicht streiten wollte) und haben die ModeratorInnen in 90% der Fälle auf ihrer Seite.

Es gibt einige interessante Gedanken und Artikel zu lesen und alles in allem dient es wohl dem allgemeinen Durchsetzungsvermögen, sich mal eine gewisse Zeit einem exma-Praktikum zu unterziehen. Wem die ewigen Geister zu viel werden, der kann ja wieder woanders schreiben ... es gibt definitiv nettere Foren als exma, auch wenn diese vielleicht langweiliger erscheinen mögen.

Ansonsten kann ich nur darauf hoffen, dass Personen, die einige Seiten von exma nur überfliegen nicht den Endruck bekommen, dass die ein repräsentatives Abbild der Dresdner Studenten sei. Das wäre dann wirklich Tragikkomik ...

In diesem Sinne ... "Willkommen bei den exma's" und ...

Allen alles Gute, Micha(el Winkler) - bei exma ehemals unter Michael13.

 

Für die zwei Hauptakteure aus dem Dresdner Studentenclub WU5, habe ich in einer ruhigen Phase (einer 7tägigen Sperrung seitens der exma-Administratoren Ende November 2008) ein kleines Gedicht verfasst. Es ist vielleicht noch anzumerken, dass exma-Nutzer zu 95% vollkommen anonym schreiben; schätzungsweise nur jeder Tausendste hat sein Foto direkt neben seinen Beiträgen als sog. "Avatar" hinterlegt. Bei Anspielungen auf die Pseudonyme reagieren manche Nutzer und die Moderatoren mitunter recht allergisch. Insofern dürften interessierte Leser dieses Gedichts mit der Umschreibung "zwei stürmische Unikate" dann ihren Weg bei exma schon selbst finden. Die beiden sind nicht zu überlesen sozusagen.
 


 

WU-Two (WU2) und Das Leben der Anderen im WU5

gewidmet zwei stürmischen Unikaten im Studentenclub WU5

 

Die WU5 ist wohl 'n "students’ club",

Was man dort probt: Chapeau – Hut ab!

Die Weltherrschaft soll’s sein, so ganz bescheiden.

Wer anders denkt, den wird man schneiden.

Ob Spaß, ob Ernst, so klar ist’s nicht –

Als Antwort gibt’s: „Niemand hat die Absicht.“

Genauer betrachtet, wird’s dann klarer

Die WU2 fand ihre Trittbrettfahrer.

 

Studentenclubs gab's nicht mehr zu kapern,

Tja, was half? … Klar doch: bei exma labern.

Mal plumb, mal schräg, mal recht daneben,

doch was soll’s … ’s ist kurz das Leben.

Malträtiert wer’n dort die Tasten,

zwischen Tequila und Bierkasten.

Ob Poltergeist, ob Moderator,

schießt man so manches Eigentor.

 

Aus Spaß wird Ernst, viel's wirkt recht lächerlich

Drum stell’ ich fest, ganz nüchterlich:

Tequila, Bier und Becherovka

Sind die WU2-Aphrodisiaka.

Ohne Alk kommt wenig rüber

Das Niveau wird sichtlich drüber.

Macht nur weiter – munter, munter

Und exma geht den Bach herunter.

 

Wir geh’n gemeinsam, Hand in Hand …

Ganz richtig, WU2, zwecklos ist der Widerstand.

Denn seid ihr auch manchmal recht besoffen,

das Internet steht allen offen.

Auch wenn „Proll“ bei exma siegt,

falls er bleibt und 'n and’rer fliegt.

Denkt an den Hedgehog*, ja den Igel,

Denn er ist euch nur ein Spiegel.

 

Diese Reime war'n recht krumm,

Doch beim Hedgehog da bleibt keiner dumm.

Drum schaut ihr hier, wenn’s euch gefällt

Was noch so passiert in dieser schönen Welt.

Zu guter Letzt, das heißt zum Schluss

Noch ein kleiner Bruderkuss:

Ich wünsch’ euch allen frohen Mutes

Viel inn’re Kraft und ganz viel Gutes.

 

 



Vorm Studentenwohnheim WU1, in sich heute der Studentenclub WU5 befindet
(Sommer 1996)

 



Eines der Logos des Dresdner Studentenclubs WU5

Schaut einfach mal vorbei ... Wundtstraße 1, 01217 DD.
Besser vorher anrufen (0351-4724246), da meist volles Haus ist.

 


* Glossar:

Der Begriff Off-Topic, auch Offtopic, off topic oder Out of topic, kurz auch OT, kommt aus dem Englischen und bedeutet etwa soviel wie abseits des eigentlichen Themas, oder ohne Bezug zum Thema. Vor allem bei der Kommunikation im Internet dient er als Hinweis dafür, dass ein Beitrag oder eine E-Mail ganz oder auch in Teilen nicht auf das eigentliche Thema Bezug nimmt. Hierdurch können die anderen Leser bereits vor dem Öffnen eines Beitrages erkennen, dass sich dieser nicht mit dem eigentlichen Thema befasst. Somit können sie Zeit sparen, indem sie diesen Beitrag überspringen. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Offtopic, Auszug)

Als Spam [spæm] oder Junk (englisch für: „Abfall“ oder „Plunder“) werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten bezeichnet, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden und werbenden Inhalt haben. Dieser Vorgang wird Spamming oder Spammen genannt, der Verursacher Spammer. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Spam, Auszug)

Bashing (von englisch bashing „öffentliche Beschimpfung“ bzw. bash „heftiger Schlag“) bezeichnet eine Form von physischer oder verbaler Gewalt.
(Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bashing, Auszug)

Hedgehog, deutsch "Igel", war ein Pseudonym für einen Ersatzaccount, den ich in den drei Tagen während meiner ersten Sperrung (Mitte November 2008), aufgrund eines Missverständnisses mit einem recht unsensibel eingreifenden exma-Moderator hatte. Es ließ sich offenbar nicht vermeiden, dass sich der exma-Vorstand hinter den Moderator stellte und somit war ich drei Tage gesperrt. Rund zwei Stunden am 19.11.2008 nach meiner Sperrung erschien im Übrigen der exma-Artikel über den Studentenclub WU5 - Zufälle gibt's.
Das neue Jahr führte dann - nach mehreren angebotenen und abgelehnten "Waffenstillständen" - über einen von mir eingestellten Thread mit dem Titel "Was tun ... bei Kommunikationsschwierigkeiten bei exma?" nach 5 Tagen zu meinem Ausschluss vom Forum.
Zirka 3 Wochen später war ich dann selbst mal persönlich im Studentenclub WU5 ... ein sehr witziges Erlebnis, endlich mal die Menschen zu sehen und teilweise zu sprechen, die mich in einem Internetforum offenbar nicht leiden mochten. Doch dazu später mehr ...

 


Erstellt am: 01.12.2008, ergänzt 29.01.2009