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Wettbewerbsgleichheit oder Humor ist, wenn man ...

 

 

Wie OB Detlef Sittel in Dresden für Ordnung und Sicherheit sorgt ...

 

Michael Winkler, Dresden, 05.05.2008

 


Manche Tage gehen ja irgendwie in die persönliche Geschichtsschreibung ein ... so auch meiner erster richtiger Tag vorm Dresdner Rathaus. Nachdem ich einige Wochen die Lage im Dresdner Freundes- und Bekanntenkreis gecheckt hatte, war mir bewusst, einen Großteil der 240 Unterstützer kann ich nur direkt vorm Rathaus - wo es nur noch 30 m bis zur Abgabe der Unterschrift sind - finden. Dresden ist recht weitläufig, die persönlichen Termine drängen eine Sache, wie eine OB-Wahl meist am nächsten Tag wieder in den Hinterkopf und somit war klar: die Leute sollten dort abgeholt werden, wo sie sind ... von der Wirtschafts- und PR-Branche kann man viel lernen.

 

Gesagt, getan ... stand ich heute also ab 13:13 Uhr (nein, das war nicht geplant, ich war nur wieder mal etwas später dran) vorm Dresdner Rathaus. Als erstes sprach ich eine Gruppe von drei jungen Damen an, die nach 1, 2 Minuten Gespräch sofort bereit waren, ihre Unterschrift zu leisten. Ein guter Start ... vielen Dank nochmals (sowie allen anderen bisherigen UnterstützerInnen).

 

Eine halbe Stunde später kommt die OB-Kandidatin der Bündnis-Grünen, Eva Jähnigen, aus dem Rathaus, mit einem Fotographinnenteam. Ich frage sie scherzhaft "Gruppenfoto?" ... Nein, ich wollte natürlich nicht wirklich mit auf's Foto, doch fragen kann man ja mal.

Wieder eine runde halbe Stunde später radelt der Kandidat der SPD, Peter Lames, an mir vorbei. Wir grüßen uns, er dreht um, kurzes Shake-Hands. "Und wie läuft's?", möchte er wissen, "schon genügend Stimmen." (im Gegensatz zu den unabhängigen, parteilosen Kandidaten brauchen die Parteigesandten keine Unterstützer ... naja, die Parteien haben in Dresden ja meist auch noch mehr als 240 Mitglieder, da erübrigt sich das bürokratische Abklopfen im Vorfeld). "Hab noch nicht gefragt," erwidere ich, "doch es fehlen schon noch eine ganze Menge." Wir verabschieden uns und er radelt weiter.

 

Wieder eine halbe Stunde - ich habe mittlerweile schätzungsweise 30 Personen angesprochen - kommen zwei Damen aus dem Rathaus auf mich zu. Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht. Die jüngere von beiden stellt sich mir vor. Ich bin etwas abgelenkt (will sie vielleicht für mich unterschreiben?) und habe ihren Namen leider nicht mehr parat. Sie kommen vom Oberbürgermeister für Ordnung und Sicherheit, Detlef Sittel ... offenbar seine Sekretärinnen. Herr Sittel macht seinen Job scheinbar sehr genau - so wie hier (Video-Link zum Dresden-Fernsehen)? ... ich weiß es nicht bzw. ich erinnere mich nicht mehr.

Woran ich mich erinnere, ist, dass die jüngere von beiden unter dem zustimmenden Nicken der älteren, mich darauf hinweist, dass ich mich aus Gründen der "Wettbewerbsgleichheit" mindestens 20 m vom Rathaus entfernen solle, wenn ich Leute darauf anspreche, mich eventuell zu unterstützen. War das jetzt eine Ordnungswidrigkeit meinerseits? Ein neckiges, bürokratisches Spiel vom Ordnungs-OB? War es ein persönlicher Schlagabtausch auf diverse Vorfälle in der Vergangenheit? War er mir vielleicht immer noch böse, dass ich ihn in meiner Funktion als Ersatzmoderator bei einer Diskussionsrunde zum Thema "Alkoholverkaufsverbot in der Dresdner Neustadt" im Dresdner Kulturzentrum Scheune im März 2007 nicht vorzeitig gehen ließ, weil ich die Diskussion bis zu Ende führen wollte? Oder verstand Herr Sittel meine Art von Humor seine mitzuverantwortenden Aktionen betreffend nicht?

 

Auch das alles weiß ich nicht ... was ich weiß, ist, dass nun seine zwei Sekretärinnen etwas ausbaden sollten, wofür sie gar nichts konnten. Da stand ein junger Mann vor ihnen, der plötzlich etwas wollte, was sonst eigentlich ihr Job ist ... Etwas Schwarz-auf-Weißes. "Können Sie mir das bitte schriftlich geben.", wollte ich wissen. Hmm, kurzes Schweigen ... "Ich hätte es schon gern schriftlich.", wiederholte ich ... "Das bekommen Sie dann wahrscheinlich mit der Post.", meinte die jüngere von beiden. "Ich kann Ihnen auch meine e-Mail-Adresse geben ... geht schneller und ist billiger." ... Das war offenbar nicht so schnell realisierbar und die Sache schien erst einmal vom Tisch bzw. von der Straße, auf der wir standen ... Ich begleitete die beiden Damen wieder zurück bis zur Eingangstür des Rathauses, mit der Absicht meine Schritte zu zählen. Zwischendurch entstand wieder eine Diskussion über die 20-m-"Bannmeile" und ich hatte mich verzählt ... ich machte es dann andersherum und ging von der Rathaustür los ... jetzt weiß ich, wo ca. 20 Meter sind und somit auch, wohin ich mich begeben werde, wenn wieder mal für Ordnung und Sicherheit gesorgt werden soll.

 

Lieber Herr Sittel, eine Bitte hätte ich jedoch noch. Wenn Sie wieder mal das Gefühl haben, dass Ordnung und Sicherheit vorm Rathaus durch einen ehrenhaften Bürger wie mich in Gefahr sind, dann kommen Sie doch bitte selbst zu mir und schicken nicht Ihre Sekretärinnen. Die können nun wirklich nichts dafür, dass sie Ihren Job besonders gut machen wollen. Ich habe Verständnis für Ihre Arbeit und hoffe, dass Sie es auch für meine haben. Wenn Sie mich beim Sammeln meiner Unterstützer-Unterschriften unterstützen wollen, dann können wir das auch ganz unbürokratisch lösen ... ohne Ihre Sekretärinnen (es sei denn sie wollen auch helfen).
Sagen Sie einfach Bescheid ... bevor Sie jedoch einen Brief an mich senden, überdenken Sie bitte die Möglichkeit einer e-Mail.
Danke im Voraus.

 

Gegen 15 Uhr kommt der andere parteiunabhängige Kandidat, Friedrich Boltz, zum Rathaus ... er stand die Zwischenzeit vor der ca. 200 m entfernt liegenden Sparkasse. "Hat man dich auch auf die 20 m Abstand hingewiesen?", wollte ich von ihm wissen. "Ja.", meinte er etwas ernst und fügte ein "Ich halte mich auch dran." hinzu, was in meinen Ohren, den Nachsatz '... offenbar im Gegensatz zu dir.' hervorrief. "Wo steht das denn?", wollte ich wissen. "In der Satzung.", waren Friedrich Boltz letzte Worte, bevor er im Rathaus verschwand. Na, da hatte er sich offenbar schon wesentlich besser auf den OB-Job vorbereitet als ich. Nun begriff ich langsam, Wettbewerbsgleichheit hieß offenbar, dass ich auch so weit weg stehen sollte wie Friedrich Boltz ...

Achja, die Satzung ... ja, klar wie konnte ich das vergessen. Welche Satzung eigentlich? Kennt irgendjemand diese Satzung? ... ich stolperte wieder einmal über meine Naivität ...

 

Einige Vorschläge zur Güte:

1. Bei der nächsten OB-Wahl sollten die Unterschriften auch selbst gesammelt werden können. Wegen mir auch 300 oder 400. Doch bitte schön, nicht im Rathaus. Ich habe diese Regel nicht erfunden ... Wenn Sie wollen, dass Menschen ins Rathaus kommen sollen, dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn dann auch wirklich welche kommen.

2. Meine lieben OBs der Stadt Dresden ... Bitte begreifen Sie jegliche Aktivitäten vor dem Rathaus als Aktionen, die sog. Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu vermindern. Manche Menschen machen Ihren Job und bekommen kein Geld dafür.

3. Die parteigebundenen OB-KandidatInnen sollten sich gegenseitig als Vertrauenspersonen angeben und bei Bedarf von dieser Funktion auch wieder zurücktreten können (diese Idee schrieb mir ein Unterstützer-Ehepaar vorgestern per e-Mail ... gute Idee, gefällt mir außerordentlich).

4. OB-Wahlen sollten aller zwei Jahre, maximal aller vier Jahre stattfinden, so dass die Bürgernähe noch im Bewusstsein ist, wenn es zum nächsten Wahlkampf geht.

 

So weit, so gut ... Morgen warte ich zunächst auf die Sekretärinnen von OB Detlef Sittel (bitte nur mit Ausdruck der Satzung ... meine erste Amtshandlung als OB wird im Übrigen die Änderung derselbigen sein) und freue mich dann auf alle wirklichen UnterstützerInnen.

 

In diesem Sinne, alles Gute und bis bald, Micha(el) Winkler.

 


Erstellt am: 05.05.2008