Homepage

Warum Helma Orosz ruhig gewinnen kann?

 

 

oder Warum sollten andere die "Suppe auslöffeln"?

 

Michael Winkler, Dresden, 10.06.2008

 

Helma Orosz erhielt beim 1. Wahlgang zur Dresdner OB-Wahl am 8. Juni 2008 nicht zu verachtende 47,61%. Das ist vielleicht mehr als von vielen erwartet und kommt dennoch nicht ganz unerwartet. Für die Nachwahl am 22. Juni 2008 scheint nun bereits "alles klar", zumal der Zweitplatzierte, der Kandidat der Linken Klaus Sühl, auf weniger als ein Drittel der Stimmen (14,47%)kam. Doch vielleicht ist ja genau das, was einige befürchtet haben, im Endeffekt das "kleinste Übel" was passieren kann ...

 

Es ist kein Geheimnis, dass auch das von vielen als doch recht provinziell bezeichnete Dresden vom globalen Markt beeinflusst ist. Wie mir mal ein befreundeter Stadtrat sagte, sollen zudem 60% der Stadtratsentscheidungen durch EU-Politik bestimmt sein (ob stimmt, weiß ich nicht ... für wahrscheinlich halte ich es). Das globale Dorf ist in Dresden bei den meisten noch etwas seitenverkehrt bzw. vielmehr höhenverdreht im Bewusstsein. Der Geist ist meist recht dörflich, gearbeitet und geshoppt wird recht global. Einige bekommen eine gute Mischung aus beiden hin, die allerwenigsten denken global und leben dörflich. Letzteres ist auch kaum mehr möglich, es sei denn mensch ernährt sich nur von Brot vom Bauernhof um die Ecke und isst selbst angebaute Erdbeeren und Tomaten. Doch spätestens beim Blick ins Internet und beim Aufdrehen der Heizung bzw. jeglicher Stromverwendung wird's eigentlich global. Und überhaupt wer möchte die Möglichkeiten weltweiter Vernetzung (kulturell und wirtschaftlich) schon missen?

 

Kurzum, auch das OB-Amt in Dresden hängt mit den sächsischen, bundesdeutschen und weltweiten Prozessen zusammen, ob der zukünftige OB (Frauen eingeschlossen) nun möchte oder nicht. Helma Orosz weiß das sehr wohl, nicht umsonst hat sie einige politische Ämter auf verschiedenen Ebenen durchlaufen. Und da es sehr wahrscheinlich ist, dass sie aus der Neu-Nach-Wahl am 22. Juni 2008 als Siegerin hervorgehen wird, nehmen wir diesen Fall einfach mal als Ausblick.

 

Der "Fall Sachsen-LB" (doppeltdeutige Wortwahl durchaus bewusst gewählt), der letztlich zu Georg Milbradts Rücktritt führte, ist nur eine Sache von vielen, die unter der maßgeblichen Regie der sächsischen CDU entstand. Frau Orosz war bzw. ist noch in der sächsischen Landesregierung (auch wenn sie als Sozialministerin mit der Sachsen-LB wenig zu tun hatte). Alles in allem kann jedoch die Politik in Dresden nicht von der Politik in Sachsen getrennt werden. Und so wie die geplatzte Immobilienblase in den USA letztlich Impuls für "King Georg"s Rücktritt war, werden weitere globale Prozesse nach Sachsen und Dresden kommen. Wer erinnert sich eigentlich noch an die Cross-Borderleasing-Geschäfte der Jahre 2002 und 2003? Wem gehören z.B. die Dresdner Straßenbahn-Netze wirklich? Oder den Verkauf der WOBA?

 

Kurzum: bis 2015 und so lange möchte Frau Orosz ja Oberbürgermeisterin bleiben (zumindest nach jetzigem Stand) wird sich noch einiges tun in Dresden. Und da hat sie den Waldschlösschenbrückenbefürwortern und wahrscheinlich prädestinierten Helma-Orosz-Wähler noch nicht über den ADAC oder "King Kurt" (Biedenkopf) mitteilen lassen, dass die globalen Stahlpreise in den letzten 2 Jahren um stellenweise 50% gestiegen sind.

 

Es ist m.E. nicht auszuschließen, dass es Zeiten geben wird, wo in Dresden finanz- und zwangläufig verwaltungstechnisch noch weniger gehen wird als jetzt, denn was interessiert den globalen Markt bzw. seine Mitspieler (eine OB-Wahl in) Dresden? Und warum sollte dann ausgerechnet eine andere Person als ein CDU-Mitglied das höchste Amt der Stadt begleiten? Warum sollten nicht genau jene "Krisenhauptverursacher" bzw. jene Leute, die davon am stärksten profitiert haben, - wenn auch etwas später - zur Verantwortung gezogen werden. Natürlich ist's - wie häufig - dann keiner gewesen oder immer ein anderer. Doch wenigstens einige Wähler werden merken, dass da doch etwas mehr zusammenhängt als bisher vielleicht wahrgenommen. Voraussetzung natürlich: sie wollen es merken.

 

Zu guter Letzt: Die Wahlbeteiligung von 42,2% (2001: rund 48%) hat ja mittlerweile "amerikanische Verhältnisse" angenommen, zumindest auf die dortigen Präsidentschaftswahlen bezogen; wenn auch dieser Vergleich etwas hinken mag. Der Nichtwähler wird nichtsdestotrotz mehr und mehr zur Mehrheit ... fragt sich nur, ob er (bzw. sie) weiterhin im Kopf meist lokal und beim Shoppen global bleibt, oder ob ein Umdenken stattfindet.

 

In diesem Sinne, alles Gute und bis bald, Micha(el) Winkler.

 


Erstellt am: 26.05.2008