Test(ost)eron & Politik ...

einmal vom Stierhoden zum Patriarchat und wieder zurück

 

Michael Winkler, Dresden, 24.09.2008

 

Manchmal ist das ja so eine Sache mit dem Internet ... das stellt man etwas ins weltweite Universum und hat dann Freunde und Bekannte, die mich netterweise auf Rechtschreibefehler und sonstige überdenkenswerte Dinge hinweisen. So z.B. der nette Hinweis einer Freundin, dass ich im Artikel "Gratulation an Frau Orosz - doch wo ist sie?" beim einem Snapshot der Seite www.helma-orosz.de auf anderen Tabs eine Google-Suche nach dem Wort "Testeron" laufen hatte. Tja, peinlich? Hmm, naja ... kommt auf's Krisenmanagement an.

Versuchen wir es doch mal mit Ehrlichkeit ... und warum nicht "aus der Not eine Tugend machen"?

 

Wer ganz genau gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass der Artikel "Mathematik - Theorie & Praxis" das Wort "testeronisiert" enthält und nur ein, zwei Stunden vor besagtem Artikel "Gratulation an Frau Orosz - ..." geschrieben wurde. Ich verwendete die adjektivische Form von Testeron, obwohl es ... hoppla, wie ich gerade herausbekam, gibt es weder "Testeron" noch "testeronisiert". Ersten heißt es "Testosteron" und wie mir die Kombination mehrerer "o" und "e" zeigte, ist "Testosteron" wohl offenbar eines der am häufigsten falsch geschriebenen Worte im WWW. Tja, woher sollte man das auch wissen? Täglich hat Mann und indirekt Frau etwas damit zu tun, doch wer spricht schon direkt darüber?

 

Schaue ich mal bei Wikipedia nach, finde ich unter dem Begriff Testosteron folgendes: "Testosteron ist ein Kunstwort, das von testis (Hoden) und Steroid abgeleitet ist. Es wurde von [dem Mediziner und Pharmakologen] Ernst Laqueur [1880-1947] kreiert, der es erstmals [1935] aus Stierhoden isolierte."

Aja, Stierhoden, Kunstwort. Da habe ich wohl mit Testeron ein anderes Kunstwort geschaffen, welches selbst scheinbar seriöse Seiten wie diese hier von wecarelife.at mit dem Titel "Einfluss von Testeron" benutzen. Also, nur ein kleiner orthographischer Lapsus offenbar. Nochmals Glück gehabt.

 

Dennoch, irgendwie reicht das ja nicht aus. Denn was hat nun Testosteron mit Politik zu tun? Eigentlich ganz einfach: Politik ist ein Weg, um Testosteron zu (be)nutzen. Die meisten Menschen streben nach Geld; welche mit wenig Geld nach mehr Geld, welche mit mehr Geld nach viel Geld und welche mit viel Geld nach noch mehr Geld usw. Letztlich nützt alles Geld nichts, wenn man dadurch nicht Macht bekommt. Und um Macht zu erhalten, gibt es mehrere Wege ... den äußeren Weg und somit den offensichtlichsten (Geld, Status usw.), um letztlich Macht über andere Menschen zu erlangen oder den inneren Weg (u.a. Selbsterkenntnis), um vielleicht Macht mit anderen Menschen zu erlangen. Den letzteren Weg wollen zwar alle Menschen irgendwie, doch meist ist der äußere verlockender, also geht man diesen ... nicht immer, doch sehr oft, würde ich mal behaupten. Und was wollen die meisten Männer? Hmm, was nützt alles Geld und alle Macht der Welt, wenn es da nicht die richtige Frau (oder die richtigen Frauen?) im Leben gibt? Ist nicht jedes Geld- und Machtstreben letztlich ein Streben des Sexualtriebes? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

 

Nun hatte ich also bei der Recherche nach Helma Orosz' Internetseiten den Begriff "Testeron" (oder Testosteron) am Suchen und so unglücklich war diese Verbindung eigentlich gar nicht, denn wie entstand denn unser derzeit immer noch bestehendes Gesellschaftssystem? Wohl doch meist durch Männer, oder? Frauenwahlrecht? Hmmm, gab angeblich das erste Mal in unserer "Demokratie" 1869 im US-Bundesstaat Wyoming, in Europa ab 1906 (im damals russischen Finnland), in Deutschland seit 1918/19. Der Schweizer Kanton Innerrhoden (wahrscheinlich nicht "Innerr-hoden") war 1990 mit dabei. In Bhutan, Brunei und Saudi-Arabien warten die Frauen teilweise heute noch auf ihr Mitbestimmungsrecht.

 

Ich frage mich z.B. immer mal wieder (und Gespräche mit "scheinbar weniger emanzipierten" Frauen bestätigen meinen Eindruck), ob Frauen diese Art von Demokratie, die ja im Grunde patriarchalen und stark hierarchischen Ursprungs ist, überhaupt so wollen. Innerlich wollen, meine ich. Auch auf die Gefahr hin, in der Schublade "konservativer Reaktionär" zu landen, frage ich mich, ob es nicht plastisch in etwa so sein könnte:

Das Männersystem besteht auf sichtbarer Leistung, erzieht zum Vergleich (besser-schlechter usw.) und schafft somit Hierarchien. Frauen, die in dieses System hineinwollen, haben nicht selten das Gefühl, doppelt so viel wie ein Mann für nicht selten 30 % weniger Gehalt leisten zu müssen. Und der Aufstieg scheint unaufhaltsam gefordert zu werden, unbewusst. Ist es nicht so, als würden die Väter den Kindern zeigen, wie man eine Suppe auf der höchsten Herdstufe kochen soll, weil das eben nunmal so gut ist. Die Kinder fragen sich dann immer mal insgeheim oder offen, warum die Suppe zu 90% immer anbrennt oder irgendwie nicht schmeckt. Die Mütter wollen sich mit den Vätern nicht anlegen (zumindest war das Jahrhunderte lang offenbar so) und meinen: "Der Papa macht das schon richtig."

Mit der Zeit konnten Frauen eigene Wege gehen und was machen dennoch viele? Sie haben offenbar verlernt, dass man auch noch fünf andere Heizstufen am Herd hat und wollen auf einem separaten Herd - doch mit den selben Methoden - ihre eigene Suppe kochen. Und wenn der Herd kaputt geht (nach unzähligen nicht wirklich schmeckenden Suppen), kauft man sich einen neuen Herd ... und wem gehört die Herd-Firma? Tja, in den meisten Fällen immer noch den Vätern bzw. Männern. Na, wenn das mal Emanzipation war?

 

Tja, da bin ich nun von Test(ost)eron zur Frau im Beruf- und Politikleben gekommen ... Die Frage ist und bleibt, was Frauen wirklich dazu beitragen können, dass sich dieses System verändert, als nur die selben Dinge zu wiederholen, die Männer schon seit Jahrhunderten so machen? Statt den Männern auf nette, jedoch bestimmte Art und Weise zu zeigen, dass sie ihr Testosteron auch auf anderen Wegen sinnvoll einsetzen können, wenn Männer lernen die Energien in kreative Wege zu leiten statt dem ewigen Spiel von Zerstörung zu folgen, scheinen sie sich nicht selten erst als Frau bestätigt, wenn Männer genau das tun, was sie eben manchmal tun, oder? Simpler ausgedrückt: wollen und unterstützen viele Frauen vielleicht sogar unbewusst das patriarchale System, denn schließlich scheint es ihnen eine gewisse Vertrautheit und Sicherheit zu geben? Wie will Frau etwas Neues schaffen, wenn sie sich nicht selbst vorher neu geschaffen hat? Vielleicht war ja Gott - wenn er denn existiert - wirklich eine Frau? Was dann?

 

Tja, vielleicht ein bisschen "zu" plakativ? "Zu" pauschal? "Zu" generalisiert? "Zu" provokant? "Zu" ...? ... Doch ich denke, wer sich bei den Zeilen von gerade eben nicht angesprochen fühlte, der konnte zumindest darüber schmunzeln. Ansonsten zwickt's vielleicht mal hier und dort ... aus gutem Grund.

 

So weit, so gut ... genug von der Politik ... ich wollte im Übrigen nochmals der Freundin danken, die mich auf den Rechtschreibefehler aufmerksam gemacht hat. Das gab mir Gelegenheit, der heutigen Politiklandschaft mal im wahrsten Sinne des Wortes "auf bzw. an den Sack zu gehen." Zartbesaitete Menschen bitte ich die letzten Worte zu entschuldigen ... es war nur eine Metapher.

 

 


Erstellt am: 24.09.2008