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Winkler - der Tata Nano unter den OB-KandidatInnen?

 

 

oder Wie fünf richtige Kandidaten und drei "halbrichtige" OB-KandidatInnen ins diesjährige Rennen um den "Grand Prix de Dresde" gehen

 

von Quax, dem Bruchpiloten bzw. Quarx, dem Buchpiloten (für alljene, die ein "Problem" mit diesem Film haben)

Dresden, den 14.04.2008

 

 

Stellen wir uns einmal die diesjährige Dresdner Wahl zum Oberbürgermeister als Autorennen vor. Das Dresden Fernsehen hat diese Idee (jene des Autorennens) ja bereits dankenswerterweise in die Öffentlichkeit gebracht. Wie sieht nun das Dresdner Rennen eigentlich aus?

 

Traditionsbewusst und die Macht der Wähler ahnend, setzen die "Großen Fünf" allesamt auf einheimische Produkte.

 

Die CDU setzt Helma Orosz in einen orangenen Mercedes Benz mit schwarzem Bodenblech. Die meisten Wähler hätten ja auch gern einen, doch wissen eigentlich, dass man sich einen Benz langfristig gar nicht leisten kann. Die SPD gibt sich verständlicherweise volksnah und fährt Volkswagen. Da man in Dresden ist, wird Peter Lames selbstverständlich verpflichtet, einen Phaeton zu benutzen. Über die Farbe streiten sich die Genossen noch. Während einige rot wollen, meinen andere, dass rosa dem Lames-Phaeton besser stehen würde.

Die FDP hat nach dem Ausfall von Pilot Ingolf Roßberg (Sieger des Grand Prix 2001) noch keinen Nachfolger finden können. Das Auto steht jedenfalls schon fest: ein Porsche. Die CDU-Helma-Fans haben auch schon kurz nach Bekanntgabe der Automarke begonnen, die FDP zu dissen, damit es so aussieht als wäre man nicht immer einer Meinung. Engagierte Helma-UnterstützerInnen singen den FDP-Fans mindestens 50-mal am Tag das Lied "Mercedes Benz" von Janis Joplin vor. Keiner von den Anwesenden weiß, was schlimmer an dieser Situation ist: die schräge Darbietung der Fans oder dass der Porsche-Pilot noch nicht da ist*.

Die LINKE setzt derweil auf Opel. Das Trabant-Wartburg-Image endlich hinter sich lassen wollend, ist die Opel-Variante noch die volksnaheste Option. Opel entlässt seit Jahren immer mal ein paar Hunderte oder Tausende Mitarbeiter und das macht die Unterstützung sympathisch. Klaus Sühl - Kandidat der Linken - setzt sich in seinen natürlich knallroten Opel Red Turbo Booster. Als gewiefter Fahrprofi, der die Fährten der Politik genauestens kennt, weiß er auch, wann er den Turbo-Boost-Knopf einschalten muss, um einen Satz nach vorn zu machen. Den im Osten geborenen MitkonkurrentInnen hat er da etwas voraus, weil er Knight Rider schon Jahre vorher anschauen konnte. Peter Lames kennt den Turbo-Boost-Knopf zwar auch, doch möchte er sozial fahren und wird im Rennen keinen Gebrauch davon machen, wie er bereits andeutete.

Eva Jähnigen von Bündnis90/Die Grünen wollte eigentlich mit dem Fahrrad fahren, doch ihre PR-Manager rieten ihr davon ab, weil sie wohl so keine Chance hätte. Sie kam als letzte und konnte nur noch einen glanzgrünen Audi nehmen. Damit wenigstens die Tradition gewahrt werden würde, wurde ihr empfohlen mit "Oktan 90" zu fahren. Es ist jedoch möglich, dass sich Eva Jähnigens Start um einige Tage verschieben wird, da sie sich mit ihrer Umweltkontrollgruppe noch über die Emissionswerte ihres Fahrzeuges austauschen möchte. Vermutlich werden die Beratungen allerdings nicht allzu lange andauern, da die Berliner KollegInnen in den letzten Jahren schon hinreichende Erfahrungen mit ihrer Dienstwagen-Kolonne vorweisen können.

Am Start befindet sich auch Marcus Kührt von der infrastrukturfreundlichen BÜSO. Da er jedoch lieber Bahn fährt bzw. sich auf Raumfahrt spezialisiert hat, wird er wohl außer Konkurrenz fahren bzw. fliegen. Kührt weiß das und meinte, dass er am Ziel schon mal auf den Rest warten würde.

Der erste der unabhängigen Kandidaten, Friedrich Boltz (Bürgerliste), ist noch etwas unentschlossen, ob er mit Fahrrad, Traktor oder einem ausländischen Fabrikat, eventuell einem Fiat, fahren sollte ... Angebote bestehen (wahrscheinlich). Das Fahrrad ist umweltfreundlich, der Traktor kommt überall durch und ein Fiat hat auch etwas elegantes ... besonders mit eingebauter italienischer Espresso-Maschine. Wahrscheinlich wird er mit dem Traktor starten, den Fiat im Schlepptau und das Fahrrad auf dem Dach, um für alle Situationen gewappnet sein.

Als bisher letzter geht Michael Winkler an den Start. Für welches Team er startet und warum, ist keiner/m so richtig klar, offenbar nicht einmal ihm selbst. Doch das scheint weder ihn noch seine potentiellen Fans noch seine OB-Wahl MitstreiterInnen zu stören. Aller Voraussicht nach wird er mit einem Tata Nano, dem bald auf den Markt kommenden billigsten Auto der Welt, an den Start gehen. Seine Argumente: "Ich kenne die Strecke nicht, will Sprit sparen, habe keine Eile, mag Indien und will unterwegs noch ein paar Freunde mitnehmen ...". Mit Blick auf die Karossen seiner Renn-KollegInnen fügt er hinzu: "Und überhaupt ... die Frau in mir braucht keine Penisverlängerung." Letztere Bemerkung führte im Übrigen zu einer Verwarnung durch das Rennleiterteam, das darin eine sexuelle Anzüglichkeit gegen irgendeines von beiden Geschlechtern, möglicherweise beiden, sah.

Der Grand Prix de Dresde könnte nun eigentlich für alle beginnen, wenn da nicht die Vorausscheide für die parteiunabhängigen Kandidaten wären. Die Rennkommission möchte - offenbar um sich der Ernsthaftigkeit des Anliegens zu vergewissern - die Unterstützung von mindestens 240 Fans schriftlich bestätigt haben. Die fünf Nobelschlitten von Helma Orosz, die schon von den hiesigen Medien und einem Umfrageinstitut der TU in der Pole-Position gesehen wird (siehe Meldung aus der Sächsischen Zeitung vom 13.10.2007), Eva Jähnigen, Peter Lames, Klaus Sühl und FDP-Mann, Mr. X*, sind schon mal losgefahren. Sie haben allesamt eingetragene Rennclubs, staatliche und private Sponsoren sowie Team-Manager inklusive Merchandising.



Ostdeutscher TataNano
im Jahr 1998

Helma Orosz kündigte inzwischen an, dass sie während des Rennens die Abkürzung über die Waldschlösschenbrücke nehmen werde, während sich die anderen drei bisher Bekannten einen Tunnel unter der Elbe hindurch bauen wollen. Da auch die Brücke bis zum 8. Juni 2008 noch nicht stehen wird, sind Konflikte während des Passierens des Nadelöhrs am Waldschlösschen wohl unausweichlich. Michael Winkler informierte seinerseits die Rennleitung davon, dass wenn er jemals loskommen sollte, die Fähre in Dresden-Johannstadt nehmen werde. Sein Tata Nano wiege nur 700 kg, so viel wie ein Trabant und das dürfte dann schon passen. Hinauszögern dürfte sich sein Start jedenfalls auch dadurch, dass der indische Kleinstwagen trotz Erfüllung der Euro-IV-Norm einige Sicherheitsstandards nicht einhalten könnte. Winkler überlegt nun, ob er die indische Regierung, die zuständige EU-Kommission (ja, welche ist das denn?) und die Auto-Welterbe-Kommission einschalten sollte, macht sich jedoch diesbezüglich wenig Hoffnungen ... die Erfahrungen der letzten Monate in Dresden ersparen so manchen (Gedanken-)Weg.

Ob nun Friedrich Boltz und Michael Winkler die nötigen 240 Fans bis Anfang Mai 2008 auftreiben können, steht momentan noch in den Sternen. Genau dort befindet sich auch gerade BÜSO-Kandidat, Marcus Kührt, der die Abkürzung über den Weltraum nehmen möchte, um dort jeglichen Konkurrenzstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen.

 

Alles in allem wissen wir momentan nicht viel, außer dem Start- und Zielpunkt: das Dresdner Rathaus.

 

Es bleibt also weiterhin spannend.

 

* PS: Kurz nach Redaktionsschluss dieses Artikels wurde Dirk Hilbert als OB-Kandidat für die FDP bestätigt.

 

 

Erstellt am: 14.04.2008, Letzte Änderung: 17.04.2008