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Warum nicht mal wieder ... Stricken?

 

 

oder Warum handwerkliche Tätigkeiten so wichtig sein können?

 

Michael Winkler, Dresden, 13./14. März 2009
(Albert Einsteins 130. Geburtstag)

 

 

Es gibt ja Dinge, die man wohl mitunter eher belächelt, zum Beispiel Stricken. Irgendwie denkt man ja da vielleicht an russische Großmütter, die auf der Straße oder in der Metro stricken. Oder an die eigene Mutter, die Pullover, Schals, Mützen und Socken strickte ... Glaubt man dem Rückentext eines Strickbuches, welches ich kürzlich im Angebot eines Discounters mit vier Buchstaben sah, stricken sogar Hollywood-Stars in den Drehpausen. Wie dem auch sein mag ... Was selten zu sehen ist, sind: strickende Männer. Hmm, ist Stricken etwa feminin? Ich weiß es nicht ...

 

Stricken leicht gemacht

 

Jedenfalls sah ich Ende letzten Jahres eine Freundin von mir stricken und dachte daran, dass ich das ja auch mal in der Schule gelernt hatte; im Fach "Nadelarbeiten" in der 3./4. Klasse - kurz vorm Sticken und dem Umgang mit einer Waschmaschine.

 

Also, holte ich von meinen Eltern ein paar Strickutensilien, ersteigerte bei eBay ein bisschen Wolle und los ging's.

 

Tipps, wie man was am einfachsten macht, gab's von der eigenen Mutter, einer Verkäuferin in einem russischen Laden ums Eck und ... ja, wer hätte es gedacht auf YouTube (siehe unten).

Ich würde mal behaupten, dass man die ersten Schritte zum Stricken in 10 Minuten erlernen kann.

 

Interessanterweise entspannt Stricken nicht nur ungemein, hat also quasi-meditative Wirkung auf den Ausübenden, sondern man kann das ganze vielleicht sogar wissenschaftlich erklären.

Stricken kann man auch mal mit Kochlöffeln - Nadelstärke 13 im Übrigen

 

Stricken und Forschung

 

Auf einer Seite des WebKolleg NRW finde ich folgende Abschnitt: "Lernziel dieses Kurses ist es, tragfähige Ideen in kurzer Zeit, mit einem geringen Aufwand produzieren zu können. Dabei ist die Unterscheidung von einem rein zielgerichteten Denken ("konvergent") und dem kreativen Denken ("divergent") sowie deren bewusster Kombination von großer Bedeutung."

Wichtig sind hier die Begriffe "konvergent" und "divergent", denn Stricken ist ja irgendwie in seiner Form "konvergent", auch wenn es weniger mit Denken, sondern eher mit (körperlicher) Handarbeit zu tun hat. Mit anderen Worten: irgendwann wird der Schal oder was es eben gerade ist fertig. Der kreative Teil, also der divergente, ist dabei jedes Mal anders. Denn beim Stricken braucht man fast nicht nachdenken und trotzdem wird's nicht langweilig. vermutlich entspannt schon die immer selbe Handbewegung und das Ziehen des Fadens. Ich weiß es natürlich nicht, doch irgendwie scheint's logisch. Bei all dem entspannt sich auch das Gehirn und ich möchte mal behaupten, dass 15 Minuten Stricken am Tag für eine Entspannung sorgen, die mit anderen Mittel wesentlich länger dauert.

 

Die Sache mit dem "konvergenten" und "divergenten" Tätigkeiten las ich vor einigen Jahren mal in einem Buch des deutsch-britischen Wirtschaftsökonoms Ernst Friedrich Schumacher. Die konkrete Buchstelle konnte ich nicht mehr finden, doch ich erinnere mich daran, dass er von Managern sprach, die zur Entspannung gern mal Kreuzworträtsel machen. Im Gegensatz zur häufig etwas abstrakten strategischen Arbeit des Tages, sieht man hier ein Resultat. Allerdings langweilen Kreuzworträtsel sicher irgendwann, auch wenn es heute - 35 Jahre nach Erscheinen Schumachers Werke - wahrscheinlich Sudoku sein würde.

 

Wenn man ein bisschen über den Sinn des Strickens hinausschießen möchte, könnte man sogar Zusammenhänge zu empirischen Forschungsmethoden herstellen. Karl Popper soll - wenn man dieser Seite eines privaten österreichischen Familienprojekts - Ende der 1970er Jahre in Kübel- und Scheinwerfermethode unterschieden haben. Mit simplen Worten kann man einerseits alle gefunden Fakten etc. in einem Kübel sammeln und dann mal schauen, was drin ist, oder man fokussiert mit einem Scheinwerfer auf eine bestimmte Annahme und überprüft diese. In der Realität findet meist immer beides statt, obwohl wahrscheinlich die zielorientierte eher im Vordergrund steht, weil dort klarer ist, was untersucht werden soll und somit auch leichter Forschungsgelder beantragt werden können (reine Vermutung, versteht sich :)).

Hmm, als ich mit diesen beiden Methoden erstmal konfrontiert wurde, so vor 3, 4 Jahren, dachte ich unweigerlich an Jäger und Sammler ... der männliche Jäger wird wahrscheinlich eher die Scheinwerfermethode bevorzugen, während Frauen wohl eher die Kübelmethode (was für ein Wort im Übrigen) nutzen. Freilich hat die Wissenschaft den Vorteil, dass hier versuchsweise objektiv herangegangen wird und sich die Methoden vermischen ... auch bei einem Männerüberhang im höheren Forschersphären in Deutschland. Könnte ja auch irgendwie mit der Finanzierung zu tun haben, sowie mit dem Hang zu Spezialisierung, die wohl auch ein bisschen mehr Scheinwerfer und weniger Kübel (interdisziplinär ?) ist.

 

Und beim Stricken wird der Fokus auf das Strickergebnis gerichtet, der Scheinwerfer ist klar ausgerichtet. Der Kübel ist dem gegenüber für die meisten nach außen hin gar nicht sichtbar, doch für den/die Strickende/n fühlbar. Geistige Entspannung, neue Gedankeneinfälle ... tja, beim Stricken kommen einem mitunter Ideen in den Kopf, die rein gar nichts mit dem Stricken zu tun haben und aus allen Lebensbereichen stammen können.

 

Stricken und was noch ...

 

Jedenfalls kann ich - während ich stricke - eine Sache, die ich sonst nicht oder sehr selten gemacht habe: fernsehen. Meist habe ich mich durch reines Fernsehen gelangweilt, doch wenn man nebenbei strickt, ist es so eine Art Radio mit temporärem Bild. Das Gefühl, das Fernsehen verlorene Zeit ist, besteht nicht mehr, da das Stricken eine Nebenbeschäftigung ist, die nebenbei mit abläuft. Man kann natürlich beides auch durchaus getrennt machen, um sich auf die jeweilige Sache zu konzentrieren, doch beides für sich genommen - also entweder Stricken oder Fernsehen - wäre wohl ebenso etwas langweilig auf die Dauer. Geht mir zumindest häufig so ...

 

Jedenfalls fiel mir beim mittelhäufigen Fernsehkonsum auf, dass die besten Nachrichtensendungen im Kabarettbereich kommen. Und andersherum ebenso ... was manche Politiker da so manchmal sagen und vor allen Dingen wie, lässt sich kabarettistisch wirklich kaum überbieten. Einige Beispiele befinden sich am Ende dieser Seite ...

 

Noch eine Sache - kurz vor den YouTube-Clips: wer sich mal ein Spaß machen möchte, nimmt sein Strickzeug mit auf's Arbeitsamt. Die Wartepausen sind ja dort mitunter recht lang und für Gesprächsstoff könnte es auch sorgen. In meinem Fall, schauten die Sachbearbeiterinnen zwar etwas verdutzt, doch für eine Bemerkung - locker oder fragend - kam es nicht. Naja, noch nicht ... :)

 

Nun, denn viel Spaß beim Stricken ...

 

 


Strickanleitung auf YouTube (Teil 1)

Angela Merkel über Überwachung und Ordnung

Wortlaut des YouTube-Clips ...

"Die CDU hat seit Jahr und Tag dafür plädiert, dass an großen Plätzen genau solche Videoüberwachung eingesetzt wird. Wenn es die CDU nicht gegeben hätte, dann würde wir heute noch 'ne lange Diskussion mit SPD, Grünen und anderen führen, darüber, ob das nun notwendig ist oder nicht.
Das sind aber Dinge, darüber man nicht diskutieren, die muss man einfach machen.

(Beifall)

Man darf nicht sagen 'Ach, das ist doch nicht so schlimm.' Hier 'n bisschen was weggeschmissen, und dort einen angerempelt, hier mal auf'n Bürgersteig gefahren, und dort mal in der dritten Reihe geparkt. Immer so unter dem Motto 'Is' alles nicht schlimm.'
Ist alles nicht nach dem Gesetz und wer einmal Gesetzesübertretungen duldet, der kann anschließend nicht mehr begründen, warum es irgendwann schlimm wird und irgendwann nicht so schlimm ist.

Deshalb Null Toleranz bei innerer Sicherheit, meine Damen und Herren."

(Beifall)

Bundeskanzlerin Angela Merkel
am
16.09.2006 auf dem Kranoldplatz in Berlin-Steglitz

Ausschnitt aus dem Film "Auf Nummer sicher?" (ZDF-Fernsehfilm)

 

Georg Schramm in "Neues aus der Anstalt" über den Iran, das deutsche Militär und ...
 

Hagen Rether in "Neues aus der Anstalt" (ZDF) über Schulen, Amokläufe und ...

 

 

Erstellt am: 13.03.2009