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Praktikum als Ratenfänger von Berlin-Mitte?

 

 

oder Warum Hameln auch in Berlin sein könnte

 

Michael Winkler, Dresden, 22.01.2009


 

Mitten in der Adventszeit 2008 kam der Fraktionsvize der Berliner FDP, Henner Schmidt (Homepage), auf eine nette Idee. Um dem Rattenproblem in Berlin-Mitte beizukommen, muss er wohl - keine Ahnung wie und wo, die Presse das aufgeschnappt hat - gemeint haben: "Vor allem Leute, die sonst auch Flaschen sammeln, könnten dann für jede tote Ratte einen Euro bekommen." Kurz vor Weihnachten waren da ganze Arbeitslosen- und Erwerbsloseninitiativen samt der Berliner FDP ziemlich aufgebracht. "Menschenverachtend" und "zynisch" waren häufig benutzte Worte. Eigene Parteikollegen seien entsetzt gewesen. Na, aber Hallo, könnte man da auch meinen. Warum sollte nicht ein freier Demokrat auch mal frei denken und frei reden dürfen? Garantiert in Deutschland das Grundgesetz nicht Meinungsfreiheit?
 



Henner Schmidt

Bildquelle:
www.henner-schmidt.de

Henner Schmidt macht ernsten Witz und witzigen Ernst ...
und das ist auch gut so

Die Wikipedia-Seite berichtet unter dem Stichwort "Partei" lediglich folgenden Satz: "Henner Schmidt ist ein Berliner FDP-Politiker und seit 2005 Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Berlin-Mitte."
'Nun wie kommt Herr Schmidt auf so eine Idee?', möchte man sich fragen. Lag es vielleicht daran, dass er beim Unternehmensberater McKinsey gearbeitet hat? Liegt es an seiner "Naturverbundenheit", die ihm als Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin (Link) auf deren Homepage attestiert wird? Oder sind dafür seine Auslandserfahrungen in Frankreich, Polen und der Ukraine verantwortlich gewesen?
Alles, was wir wissen, ist, dass wir es nicht wissen ...

Vielleicht lag es auch einfach daran, dass Henner Schmidt mal wieder aus dem "Männerstall" der Berliner FDP-Fraktion (Homepage) hervortreten bzw. mit anderen Worten sich abheben wollte? Hier versammeln sich - wie häufig im emanzipierten Deutschland - 13 Männer und eine Frau. Fast wie damals in der Hartz-Kommission, wo es 14 Männer und eine Frau gewesen sind (Wikipedia-Link). Und vielleicht saßen einige der FDP-Herren mal früh beim Kaffee zusammen oder abends beim einem Berliner Weißen mit Schuß und die uralten deutschen Probleme traten wieder auf den Tisch: Arbeitslosigkeit und Ratten. Tja, vielleicht war es so und wer sollte dem Herrn Schmidt, der - man vergebe es mir - eine Nase hat, die mich an irgendetwas erinnert ... nein, das führt jetzt in keine gute Richtung. Also, besser zurück zum Thema. Ich - als Hartz-IV-Empfänger - habe dem Herrn Schmidt längst verziehen, herzlich gelacht und darüber hinaus ihm ein paar konstruktive Vorschläge gemacht. Ihm persönlich, schriftlich und jetzt für alle Welt nachlesbar.


Bewerbung für ein einmonatiges Praktikum als Rattenfänger in Berlin-Mitte

Als diplomierter Kartograph kenne ich mich ein bisschen mit Geoinformationssystemen, kurz GIS, aus (z.B. für ein Ratten-GIS einsetzbar) und als jemand, der sich für Indien interessiert, hat man vielleicht auch schon von den Vorschlägen einiger indischer Politiker gehört, Rattenfleisch auch als Restaurantspeise zu verwenden (alles weitere siehe Anschreiben an Herrn Schmidt). Warum nicht auch in Deutschland? Irgendwann heißt es vielleicht auch einmal "Von Indien lernen, heißt siegen lernen." ... auch das wissen wir natürlich nicht.

Ich machte dem Herrn Schmidt also den Vorschlag ein einmonatiges Praktikum als Rattenfänger in Berlin-Mitte durchführen zu wollen, mit 500 Euro für Kost & Logis, Fahrtkosten und Arbeitsmittel. Bisher schweigt er. Warum, weiß ich nicht. Ich werde ihn Anfang Februar 2009 wohl nochmals anrufen ("müssen"). Schließlich wollte ich im Frühjahr die Paarungszeit der Ratten ausnutzen, um gleich mehrere Ratten auf einmal erlegen zu können. Günstigerweise, so schrieb ich Herrn Schmidt, könnte man auch sogenannte "Ratten-Gangbangs" abpassen, wo mehrere Ratten miteinander kopulieren. Ob sich das die Ratten von den Menschen abgeschaut haben oder anders herum, ist ebenfalls eine Sache, die wir nicht wissen. Ist auch für das Praktikum erst einmal unwichtig ... Dienst ist Dienst und Bier ist Bier.

Jedenfalls halte ich die Idee des Herrn Schmidt oder wer auch immer Vater des Gedanken war, sog. Arbeitslose für die Rattenjagd in Berlin-Mitte zu engagieren, für einen genialen Geniestreich eines Berliner und zudem bundesdeutschen Politikers, der m.E. von den 3-9 Millionen ALG-Empfängern (je nachdem, welcher Statistik man nun trauen möchte) wohlwollend aufgenommen werden könnte.

Herrn Schmidt als Chef?

Ich stelle mir gerade bei einer Tasse fair gehandelten kolumbianischen Kaffees so vor wie ich dann an so manchem Frühlingsabend bei Herrn Schmidt vor der Tür stehe. Vier Ratten in der linken Hand und vier in der rechten ... und wir kochen uns was Leckeres. Denn der Herr Schmidt ist ein Gourmet, wie die Internetseite der Stiftung Naturschutz Berlin verrät ... ich zitiere den letzten Absatz der Seite:
"Kann er denn niemals einfach nur genießen? Doch – er kann. Beim Segeln, beim Klavierspiel und wenn er die Tomaten, Zucchini und Gurken auf seiner Terrasse gießt. Am meisten aber genießt er es, mit Freunden gemeinsam zu kochen. Bei einem guten Essen und einem guten Wein kann auch er gut innehalten. Allerdings nie allzu lange. Denn ausruhen, das liegt ihm eben nicht." (Quelle)

Na, hervorragend, mein Chef kann nicht allzu lange ausruhen. Dann werde ich ihm bei einem lauen Frühlingslüftchen nach dem zweiten Glas (guten!) Rotweines so schätzungsweise gegen halb 9 abends mal zu einer Rattenjagd-Tour durch sein und mein Revier Berlin-Mitte einladen. Nach einem ausgiebigen Mahl aus Tomaten, Zucchini und Gurken (Ratatouille ???) kann ein kleiner Ausflug ganz nett sein, so mit Verdauungszigarre oder -zigarette usw.

Und irgendwann, wenn wir wieder mal eine Ratte erlegt haben, frage ich ihn dann so nebenbei: "Sagen Sie mal, Herr Schmidt, stehen Ratten eigentlich unter Naturschutz?" Seine Antwort bleibt natürlich unter uns - versteht sich -, denn als Aufsichtsrat in der Stiftung Naturschutz Berlin empfiehlt sich jegliche Diskretion meinem Chef gegenüber.

Also, ich weiß nicht, wie es meinem Chef in spe, Herrn Henner Schmidt, geht, doch ich freue mich auf das Praktikum.



Anschreiben an Herrn Schmidt mit Angebot eines Praktikums als Rattenfänger in Berlin-Mitte





Probetext zum Thema
"Wie laufen manche Dinge in einer Dresdner ARGE ab?"
 




Und wie immer, Abraham Lincolns Ideenreichtum sei Dank, gab's die "Danke"-Briefmarke mit dazu. Damit Herr Schmidt keine Mehrkosten hat. Naja, bisher war's recht ruhig. Ich weiß auch nicht warum :)

"Wenn du von einem
Fremden etwas willst,
was für dich von Interesse ist,
so lege stets eine Briefmarke bei."


Abraham Lincoln (1809-1865)
16. Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika

 


Erstellt am: 19.01.2009, ergänzt am 22.01.2009