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Sie haben Recht, Herr Mißfelder ...

Bewerben bei der ARGE leicht gemacht?

 

oder Warum Junge Union und CDU endlich einen "PR-Experten in Sachen Hartz IV" brauchen

 

Michael Winkler, Dresden, 28.02.2009



Jeden Monat überlege ich - von der Planerfüllungsstelle der ARGE inspiriert - auf's Neue, wo man sich denn noch so bewerben könnte. Deutschlandweit soll es ja sein und Gott, sei Dank, gibt es genügend Arbeit. Sie liegt quasi auf der Straße; sie wurde dort hingeworfen. Und die meisten heben sie nicht etwa auf, sondern trampeln komischerweise drauf herum. Deutsche, das können wir uns in Krisenzeiten nicht leisten ... Erst kürzlich wieder bewies der Chef der Jungen Union, Philipp Missfelder, dass es genügend Arbeit gibt. Zum Beispiel als PR-Berater, wahlweise auch PR-Experte, bei der Jungen Union und der CDU in Sachen Hartz IV. Als "Aktivist der ersten Stunde" auf diesem Feld habe ich mich gleich mal bei ihm angeboten ...

 

Irgendwie muss Herrn Mißfelder wohl in einem Redebeitrag bei einem Frühschoppen der Halterner CDU-Fraktion, konkret soll es im Hotel Himmelmann im Ortsteil Lippramsdorf (Spiegel-Artikel), folgender Satz entfleucht sein: "Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie". Und wie es schon nach Henner Schmidts Vorschlag, Berliner Arbeitslose zur Behebung des Rattenproblems in Berlin-Mitte einzusetzen, zu bundesweiten Unmuts- und Empörungsäußerungen kam, brauchte man auch hier nicht lange zu warten. Dabei sind wir schon seit Monaten im Vorwahlkampf ... und darum geht es doch. Mit 'nem kernigen Spruch merken sich die Leute deinen Namen - worum's bei dem Spruch so genau ging, weiß nach zwei Monaten niemand mehr. Besser schlechte PR als überhaupt keine, dieser PR-Spruch gilt auch für Politiker, nicht nur für Rockstars oder Schauspieler.

 

Von Jung bis Alt ... hier wird kräftig gelacht in Recklingshausen

Quelle: www.philipp-missfelder.de/de/kontakt

So ein Frühschoppen ... ja, der ist lustig

Jedenfalls ist die CDU-Gruppe um Philipp Mißfelder (heißt er nicht eigentlich "Miß Felder"?) offenbar eine lustige Herrentruppe, wie das Bild links zeigen dürfte. Die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen und Schneewittchen heißt dort Rotkäppchen und den gibt's als Frühschoppen beim Sonntagsfrühstück, vermutlich. Naja, vermutlich nicht, denn es wird sicher Mumm-Sekt getrunken oder Frexeneit ...

Doch sei's drum ... es geht ja auch nicht wirklich darum, was Herr Missfelder gesagt hat und ob man das darf oder so darf.

Warum sollte man in einem freien Land nicht mal sagen können, was man(n) denkt?

So weit ich mich erinnern kann gibt es ja im Grundgesetz Artikel 5 über die Meinungsfreiheit ... und warum sollte man da nicht mal das sagen, was man denkt? Nur weil er ein Amt wie den Vorsitz der Jungen Union Deutschland innehat, kann er doch auch ab und zu mal einen gucken lassen. Wenn Mißfelder Kabarettist wäre, würde er wahrscheinlich einige Schenkelklopfer und Beifallsstürme ernten. Was wäre, wenn Harald Schmidt solche Sprüche machen würde? Ist Philipp Missfelder nicht einfach ein wunderbarer Zwitter aus Politiker und Kabarettist? ... und noch dazu mit römisch-katholischem Background (was auch immer das alles heißen kann).

Naja, jedenfalls sah es bei Umfrage auf arcor.de nicht gerade so aus, als würde ich Philipp Mißfelder um eine Entschuldigung "drücken" können. Wobei vorher wohl noch zu klären wäre, wofür er sich eigentlich entschuldigen sollte?
Dafür, dass er vielleicht alle 3-8 Millionen Deutschen, die irgendwie direkt oder indirekt Hartz IV beziehen, in einen Sack steckte?

Wenn es wirklich einen Sinn machen sollte, dann wäre es vielleicht gut, wenn vorher abgeklärt werden könnte, wer sich da alles überhaupt angesprochen gefühlt haben könnte. Reden da vielleicht wieder mal diejenigen Menschen über eine Sache, die weder Hartz IV empfangen noch Kinder haben noch rauchen oder Alkohol trinken?


PR-Hilfe in Sachen "Hartz IV"

Wäre doch gut, wenn die Junge Union bzw. die Haltener CDU beim nächsten Frühschoppen mal ein paar Hartz-IV-Empfänger(innen) aus der Region einladen würde und man das - so zwischen zwei Sekt- oder Weingläsern sozusagen - besprechen könnte. Da böte sich für Herrn Mißfelder auch die Gelegenheit gleich, ein bisschen Wahlkampf mitzumachen ... zwei Fliegen mit einer Klappe.

Jedenfalls habe ich mich jetzt bei ihm als "PR-Experte in Sachen Hartz IV" beworben - schriftlich, versteht sich. Eine Kopie bekommt wie immer auch meine Dresdner Fallmanagerin. Ja, ich kümmere mich um Arbeit - deutschlandweit, auch das versteht sich. Beigelegt habe ich ihm neben der obligatorischen Briefmarke auch eine Kopie des Essays "Meine Ehe mit Petra Hartz", damit er sich schon mal im Voraus ein Bild von der Lage und seines zukünftigen PR-Beraters machen kann.



Anschreiben an
Philipp Mißfelder

(einfach draufklicken)


Titelblatt des Essays
"Mein Ehe mit Petra Hartz"

(PDF-Version)

Humor ist nicht gerade die Stärke der Deutschen, oder? ...
Zumindest nicht Selbsthumor

Quelle: www.arcor.de


Worum geht es denn eigentlich?

Jedenfalls denke ich, dass - wie häufig - die Diskussion am eigentlichen Thema vorbei geht: den Kindern. Warum gibt es denn keine kostenfreie Essensversorgung im Kindergarten bzw. in den KITAs? Nach all den Milliarden Euro, die in den letzten Wochen so in Banken und wo auch immer hingeflossen sind, kann mir doch keiner erzählen, dass kein Geld da wäre. Allein die Hypo Real Estate könnte wahrscheinlich alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland bis 18 fünf Jahre lang mit Essen versorgen. Jeden Tag und zweimal täglich.

Naja, sei es wie es sei ... ich freue mich auch auf diesen Job bei Philipp Mißfelder. Er wird mir sicher so einiges über seine römisch-katholische Erziehung sagen können, so ein bisschen Nachhilfe für einen athestisch sozialisierten Mitbundesbürger und ich mach' ihn dann fit für die Bundestagswahl 2009.

Und wer Langeweile hat bei all der Politik, der schaue sich einfach ein paar YouTube-Videos an. Ich habe wieder mal ein bisschen gekramt und was dabei heraus kam, seht ihr unten ... Cindy aus Marzahn (Hartz-IV-Expertin in eigener Sache) und die Jungs von Culcha Candela sowie etwas fürs Auge und fürs Ohr aus einem anderen Blickwinkel heraus: die französischen Sängerinnen Zazie und Keren Ann.

 


Erstellt am: 28.02.2009


 

Für zwischendurch oder hinterher - ein paar YouTube-Clips zum Entspannen oder Anspannen, wenn gewünscht ...

 

Culcha Candela feat. Cindy aus Marzahn - Hamma!
 

Zazie - "Toc Toc Toc"
 

Keren Ann - "Sur Le Fil"