"OB v.u. DD" - Oberbürgermeister von unten in Dresden
oder Warum diese Internetseite auch nach dem Juni 2008 noch weiter besteht & bestehen wird ...
Michael Winkler, Dresden, 07.11.2008, ergänzt am 22.11.2008
Ich möchte etwas nachholen. Etwas, das in meinem eigenen Bewusstsein schon
seit einigen Monaten schlummert(e), doch ich es bisher nicht öffentlich
dargelegt habe. Dies soll hiermit geschehen, denn ein Thema des von mir im
April/Mai 2008 geführten "Wahlkampfes" lautete "Transparenz" und somit sollte
ich mit gutem Beispiel vorangehen. Nun, denn ...
Mitunter habe ich im Gespräch mit Freunden und Bekannten die Bezeichnung „OB a.D.“
verwendet, welche nichts anderes als „Oberbürgermeister außer Dienst“ bedeutet.
Doch dies kann für einige natürlich missverständlich sein. Nach dem 12. Mai
2008, dem Datum der offiziellen Nichtzulassung meiner OB-Kandidatur, war ich im
Grunde ein „OB adé“. Der Oberbürgermeisterposten war nicht mehr erreichbar. Als
„OB in spé“ habe ich mich selbst nie gesehen, dazu war ich realistisch genug
(siehe auch
SZ-Artikel vom 29.04.2008). Ich kannte bzw. kenne die DresdnerInnen zwar
nicht sehr alle persönlich, doch m.E. intensiv genug, um einschätzen zu können,
was möglich ist und was nicht.
Angetreten bin ich dennoch mit dem Gefühl, dass theoretisch jeder Dresdner bzw.
jede Dresdnerin OB werden kann. Und witzigerweise können sogar Nicht-Dresdner OB
werden, wie die Kandidatur des REP-Vorsitzenden in Niedersachsen, Dirk Hacaj,
und des in Berlin gemeldeten BüSo-Mitglieds, Markus Kürth, gezeigt haben.
Insofern ist jede Dresdnerin und jeder Dresdner für mich ein „OB in spe“, also
auch ich. Ab dem bereits genannten 12.5.2008 sah ich mich als „OB adé“ und
seitdem Helma Orosz offiziell zur Oberbürgermeisterin gewählt worden ist und
dieses Amt dann auch mit Schwierigkeiten antrat, sah ich mich als „OB a.D.“.
Ein paar Bekannte vom Fernsehen meinten - irgendwann im herbst 2008 - einmal
scherzhaft, dass ich eine „OB Ich AG“ wäre; was die Sache einerseits trifft,
doch anderseits doch auch wieder nicht. Richtig ist, dass jedes Individuum
innerhalb einer Gesellschaft primär „sein bzw. ihr Ding“ machen sollte … doch
dabei ebenso möglichst auf seine/ihre gesamte Umwelt acht geben sollte. Tut er
bzw. sie dies nicht, dann bleibt’s so wie es ist. Nichtkonform gehe ich mit den
Definitionen und Bestimmungen der ARGE Dresden bzw. des Arbeitsamtes Dresden
(und der BA Nürnberg), denn die ICH AG war und ist für mich nichts weiter als
ein Medienhype, um die Arbeitslosenstatistiken zu bereinigen. Ungefähr 1% der
Arbeitslosen haben sie in Anspruch genommen. Kurzum: in der Politik würden
solche Vorschläge an der 5-Prozent-Hürde scheitern.
Die ICH AGen (AGs) mögen einige Helden hervorgebracht haben, doch auf die
Gesellschaft übertragen sind sie ein Desaster. Angeblich wurden die ICH AGs auch
eher für gering bezahlte Jobs wie Reinigungskräfte etc. konzipiert. Also,
offenbar kaum ein Konzept für 3-10 Millionen sog. Arbeitslose. '10 Millionen
Arbeitslose? Was soll’n das jetzt?', werden vielleicht einige fragen. Nun,
wer sich die aktuellen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit einmal genauer
anschaut, der wird feststellen, dass zu den ca. 3 Millionen offiziellen
Arbeitslosen (gemeldet & Leistung) noch ca. 3 Millionen Inoffizielle (nicht
gemeldet, trotzdem Leistung, z.B. sog. Aufstocker) und rund 700.000 weitere
(nicht gemeldet, keine Leistung … z.B. die Mutter von 1-... Kindern mit
verdienendem Ehemann) kommen. Zudem kommen noch ein paar hinzu, deren Sinn ich
auch nicht so recht verstehe. Jedenfalls dürfte man mit 10 Millionen Menschen in
Deutschland auf ALG-II-Niveau (351 Euro plus Miete) schon ganz richtig liegen.
Doch ich schweife ab. Wen dieses Thema dennoch interessiert, den empfehle ich
Google oder ein Blick auf die ganz unten stehende Graphik aus der DNN vom August
2004.
Ich habe – nach einigen Gesprächen – meinen Titel intern sozusagen in „OB v.u.“
geändert. Der „Oberbürgermeister von unten“ sozusagen. Helma Orosz ist für
Dresden die „OB v.o.“ (von oben) und es benötigt ein Pendant dazu; sonst mündet
es in einer Imbalance .. und Unausgeglichenheit ist mittel- und langfristig noch
nie gut für irgendetwas gewesen. Demokratie von oben braucht Demokratie
von unten, und jede/r ist da gefragt. Das beginnt meist schon mit
simplen Fragen wie „Warum ist das eigentlich so?“.
Auch der wissenschaftliche
Aspekt kommt hierbei nicht zu kurz, denn es treffen deduktive (vom Allgemeinen
zum Speziellen; von oben nach unten) mit induktiven (vom Speziellen zum
Allgemeinen, von unten nach oben) Ansätze aufeinander. Der „OB v.u.“ ist
sozusagen das wissenschaftliche Pendant zum „OB v.o.“ … das eine kann ohne das
andere nicht existieren. Helma Orosz wäre ohne die Dresdner BürgerInnen keine
Oberbürgermeisterin. Dass es bei allem den Aufeinandertreffen auf
Abstimmungsschwierigkeiten und Missverständnissen etc. kommen kann, liegt in der
Natur der Sache. Diese Wahrheit ist so alt wie die Menschheit selbst und wir
erleben es jeden Tag mehrere Dutzend Mal.
Schließen möchte ich mit einem Zitat von Albert Einstein, dessen Aussage m.E.
nach eine sehr wichtige für alle Lebensbereiche ist, nicht nur auf
wissenschaftlichem, sondern auch auf politischem Gebiet:
„Die reine Formulierung eines Problems ist oftmals weit wichtiger als seine
Lösung. Neue Fragen aufzuwerfen, neue Möglichkeiten zu finden, alte Probleme aus
einem neuen Blickwinkel heraus zu betrachten, erfordert Vorstellungskraft und
macht die wirklichen Fortschritte in einer Wissenschaft aus.“
In diesem Sinne, alles Gute
und einen offenen, fragenden Geist im gedanklichen Rucksack. Bis bald, „OB v.u.
DD“ Micha(el) Winkler.

Erstellt am: 07. & 22.11.2008