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Die Oberbürgermeisterkandidatur hat also nicht sollen sein ...

 


und wisst Ihr was: das ist überhaupt nicht schlimm.

 

Michael Winkler, Dresden, 14.05.2008
 

 

Nach rund 6 Wochen Vorwahlkampf hat die Reise des TataNano unter den OB-Kandidaten ein recht schmerzloses Ende genommen, da die 240 nötigen Unterstützer-Unterschriften bis zum 12. Mai 2008 nicht zusammen gekommen waren. Doch die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen sind ein Schatz, den man wohl nicht bezahlen kann. Allen UnterstützerInnen sei an dieser Stelle gedankt und insbesondere dafür, dass sie es nicht bei der Frage "Wieviele Stimmen hast du denn schon?" beließen, sondern genau das taten, wofür ich dieses Experiment selbst gewagt hatte: eine Sache einfach mal machen, ohne gleich alle Konsequenzen im Voraus abschätzen zu wollen.

Den Sprung von Quantitäten (Zahlen, Zahlen, nochmals Zahlen) hin zu einer neuen Qualität ("Engagiere ich mich nun oder lasse ich es bleiben?") zu gehen, ist mehr, als vielen vielleicht bewusst ist. Man möge es mir verzeihen, doch die Frage nach den Stimmen waren für mich immer ein fast treffsicherer Indikator dafür, dass die fragende Person selbst kein Interesse hatte, mich zu unterstützen - aus welchen Gründen auch immer. Die Gründe, warum jemand nicht den Weg ins Rathaus schaffte, sind mir nur sekundär wichtig, denn verwaltungstechnisch beeinflusste Gründe gab es zur Genüge (und irgendetwas ist ja immer). Viel wichtiger sind mir daher die Gründe, warum sich Menschen auf den Weg ins Rathaus begaben. Und noch wichtiger ist dies für jede/n einzelnen selbst.

Die Seite www.ob-winkler.com wird auch in Zukunft weiter bestehen bleiben. Zwar wird sie nicht mehr jeden oder jeden zweiten Tag mit neuen Inhalten gefüllt, doch sie enthält m.E. Informationen, die in den handelsüblichen Medien nie erschienen sind oder nur noch in kaum zu findenden Archiven zu erhalten sein werden.

Am meisten hatten offenbar die Dresdner Menschen mit dem OB-Thema Nr. 4 ihre Schwierigkeiten und als ich am Sonntag, den 11. Mai 2008 so am Waldschlösschenareal auf die Baustelle blickte, fielen mir diesbezüglich folgende Zeilen ein:

 

Mit Humor tut sich der Dresdner recht schwer,
Zwar lacht er über and're - gern und sehr.
Über die Welt lacht er sich oft schlapp,
doch mit Selbsthumor hält er's recht knapp.

 

Die Sonne schien, ein laues Lüftchen wehte und es war wohl kein Zufall, dass mir diese Zeilen ausgerechnet an jener Stelle einfiel, die wahrscheinlich auch die Dresdner OB-Wahl 2008 entscheiden wird.

Ja, die größte Erfahrung war wohl wirklich jene, dass die Mehrheit der Dresdner Bevölkerung mittlerweile längst das Interesse an Sachentscheidungen verloren hat, zumindest den Glauben an eine politische Lösung. Das Thema "Waldschlösschen" (ob nun Tunnel oder Brücke) scheint die Stadt derart zu überlagern als gebe es nur diesen einen "Konflikt" ...

Dabei könnte alles so einfach sein, warum nicht einen Tunnel für Autos und Busse sowie eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer (z.B. ein paar Meter elbaufwärts versetzt, um den Blick nach Dresden vollkommen freizuhalten)?

"Und woher das Geld nehmen", fragen dann sicher 95%? Na, z.B. vom Land Sachsen oder von der Bundesregierung? Wenn beim Fall "Sachsen LB" mal so ganz zufällig mehrere Hundert Millionen Euro "weg sind", dann sind sie doch bestimmt nur woanders, oder? Wenn sie sich gar nicht mehr auffinden lassen, dann kann doch das Geld von den jährlich mehr als 30.000 Millionen Euro Rüstungsetat der BRD (ich könnte auch 30 Milliarden schreiben) bestritten werden. Jedem Deutschen würde wahrscheinlich einleuchten, dass Frieden in Dresden und möglicherweise auch mit der UNESCO vielleicht wichtiger wäre, als jährlich für mehrere Milliarden Euro Waffen zu produzieren und z.B. in Afghanistan Deutschland zu verteidigen.

Und auch das Thema Humor käme bei dieser Tunnel-&-Brücke-Variante nicht zu kurz. Stellt Euch mal vor, die CDU und die FDP würden dann eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke bekommen und die Bündnis-Grünen, SPD und die Linke würden sich für den benzinbetriebenen Verkehr stark machen. Plötzlich wäre allen mit dieser "Sowohl-als-auch"-Lösung geholfen statt sich im "Entweder-Oder" die Köpfen zu zerreiben und sich wie Kriegsparteien gegenüber zu stehen.

Doch - Realist wie ich nunmal bin - sind die Würfel in den meisten Köpfen schon gefallen, auf allen Seiten und es geht wie in den meisten Konflikten längst nicht mehr um die Sache, sondern ums Recht haben bzw. bekommen. Ego-Kämpfe ins Reinstform. Natürlich haben alle (Egos) recht und das Problem ist wohl nur, dass einige (Egos) denken sie haben rechter ... insofern nichts neues in Dresden ...

Oder doch?
 


Erstellt am: 14.05.2008