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FrauenRechte und Rechte Frauen

 

 

oder Wie ist das Frauen(selbst)bild bei der NPD ?

 

Michael Winkler, Dresden, 19.07.2009, ursprünglich entstanden im November 2008

 


Als Barack Obama am 4. November 2008 die Wahlen zum 44. US-amerikanischen Präsidenten gewann, war auch die sächsische NPD schnell informiert. Einer der NPD-Chef-Ideologen im sächsischen Landtag, Jürgen Gansel, nahm seine Tastatur in die Hand und schrieb einen Text mit dem wahrscheinlich völlig wertungsfrei gemeinten Titel "Afrika erobert das Weiße Haus" :) Nach ein paar Internet-Links-Verfolgungen habe ich mal genau dasselbe gemacht wie Gansel vorher, d.h. Versatzstücke aus dem Internet und der Literatur zusammengesetzt und mit meinem eigenen kopf- und bauchgehirngeistigen Fähigkeiten zusammengeschustert.

 

Der Gansel-Text war im Übrigen nur einige Tage auf der Sachsen-NPD-Seite zu sehen, bevor er wieder entfernt wurde - allerdings blieb offenbar genug Zeit, um ihn durch zahlreiche Copy-Paste's durch's Internet schwirren zu lassen. Er ist u.a. noch auf diversen anderen bundesweiten NPD-Seiten zu finden. Ich selbst stolperte über den Text beim Dresdner Studentenforum exmatrikulationsamt in einem Beitrag innerhalb der Rubrik "Spam des Tages". Gansel, laut seiner Wikipedia-Vita ein geschichtlich und politisch gebildeter/geschulter Mann, zitiert und vermengt in diesem Artikel einige mehr oder minder bekannte Personen. Er spannt einen Bogen von "Clash-of-Civilisation"-Mann Samuel P. Huntington, der auch für das US-Außenministerium arbeitete, über mir bisher völlig unbekannte Namen wie David Axelrod und Richard Nicolas Coudenhove-Kalergi und endet nach mehrmaligem Wiederholen des Wortes "Neger", mit einem Zitat von Henry de Montherlant.

 

Wer auf der Wikipedia-Seite von Henry de Montherlant etwas liest, dann stößt man nicht nur über die zwei Zitate "Wer einer Frau die Illusion nimmt, plädiert für totale Abrüstung." und "Man bezahlt die Frauen, damit sie kommen, und man bezahlt sie, damit sie verschwinden; das ist ihr Schicksal." (aus "Die Aussätzigen"), sondern ebenso über den Satz "Montherlant starb 1972 im Alter von 76 Jahren durch Suizid, indem er eine Zyankali-Kapsel zerbiss und sich gleichzeitig in den Kopf schoss." Verschiebt man die beiden Zitate über Frauen mal kurz in den Hinterkopf, so fragt man sich vielleicht dennoch, was passieren muss bzw. passiert sein muss, dass ein 76jähriger Mann derart sichergehen will bei der Durchführung einer Selbsttötung? Interessant für mich insbesondere, dass de Montherlant zwei Methoden wählte, die - glaubt man Untersuchungen - zum einen eher bei Frauen anzutreffen sind (Gift) und zum anderen bei Männern (Erschießen). Während Frauen meist ohne großes Aufhebens von dieser Welt gehen wollen und eher leisere Methoden wählen (u.a. Gift), wollen Männer nicht selten wohl noch einmal auf sich aufmerksam machen (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstmord#Methoden). So bedauernswert es ist, wenn Menschen glauben, nicht mehr in dieser Welt leben zu können und zu wollen, dazu zwingen kann sie freilich keiner. Entspannend wirkt vielleicht eine dem Galauebn an Wiedergeburt zuzuordnende Theorie, die besagt, dass Selbstmord rein gar nichts bringt, denn man fängt im nächsten Leben genau bei den selben Problemen wieder an. Und schlimmer noch: in der Zeit, in der die Seele nicht auf der Erde ist, würde man rein gar nichts machen können und das seien erst richtige Qualen im Vergleich zu den irdischen.

Hmm, diese Theorie scheinen die allerwenigsten zu kennen, denn nicht umsonst sterben allein in Deutschland jährlich mehr als doppelt so viele Menschen einen Freitod wie bei einem Verkehrsunfall. Und auch EU-weit lassen diese zwei Sätze aus Wikipedia wohl aufhorchen: "In der Europäischen Union begehen nach einer Meldung der EU-Kommission aus dem Jahr 2005 jährlich 58.000 Menschen Suizid, wobei die meisten dieser Fälle von Personen begangen werden, die an Depressionen leiden. An anderen Todesursachen führt dieselbe Meldung jährlich 50.700 Verkehrstote und 5.350 Opfer von Gewaltverbrechen an." (Quelle)

 

Nachdem ich nun über Gansel, Obama und Montherlant die Themen "Frauenbild einiger Männer" und Suizid streifte, stolperte ich über die Homepage des 2006 ins Leben gerufenen "Ring Nationaler Frauen" (RNF). Will man sich einen kurzen Überblick über dort engagierte Frauen machen, wähle man wohl am besten die Rubrik "Frauen, die sich trauen". Nun war mir, einem in der DDR geborenen und in Deutschland lebenden Mann, noch nicht so ganz klar, was diese Frauen sich trauen, wie und wann und ... naja, die ganzen W-Fragen eben. Hat man recht wenig Interesse, sich allzu lang mit den Inhalten irgendeiner Sache zu beschäftigen, dann bleibt man beim bekannterweise beim ersten Eindruck hängen oder wenn der immer noch diffus ist, bei einem Selbstbild. Am besten zeigt sich dieses Selbstbild wohl beim Slogan ... und der lautet beim Ring "Nationaler Frauen" kurz und knapp: "Deutschland ist auch Frauensache."

 

Nun kenne ich die Medien- und PR-Berater des RNF zu wenig bis eigentlich gar nicht, weiß nicht, ob bei der Slogan-Auswahl auch Frauen mitgearbeitet haben oder ausschließlich vielleicht sogar. Jedenfalls erscheint es mir insofern die Frage interessant "Wie ist das Selbstbild der Frauen in einer Partei?". Da gibt es nicht nur die Arbeiten der Emanzipatorische Linken oder werbewirksame Versuche von Offenbacher SPD-Frauen mittels Aktfotographie (Focus-Artikel 22.11.2007 - "SPD-Frauen werben mit Nackfotos"), nein, da gibt's wahrscheinlich noch eine ganze Menge anderer Dinge, von den Mann und Frau bislang keine Ahnung hatte.

 

Und nun der Satz "Deutschland ist auch Frauensache". Hoppla, das sah für mich so aus, als ob die NPD-Frauen da einen Slogan ausgearbeitet hatten, der nah an "Deutschland ist Frauensache" ranreichte und nach zähen Verhandlungen bei nationalen Getränken und Speisen, haben es einige Männer geschafft das kleine Wort "auch" noch reinzubringen. Wahrscheinlich war's ganz anders, doch für mich sieht der Spruch eher so aus wie als wollte man sagen 'Nach mehreren Jahrzehnten haben wir festgestellt, es gibt tatsächlich auch Frauen in diesem Land.' ... das wäre ja zumindest ein erster Erfolg, würde ich meinen. Manche Dinge entwickeln sich eben recht langsam. Einmal abgesehen davon ist das Selbstbild der NPD-Frauen wahrscheinlich noch nicht einmal das konservativste, das man(n) sich vorstellen kann.

 

Das "unergründliche Wesen" der Frau wird ja nicht selten und nicht umsonst hinterfragt (um nach einer gefundenen Antwort immer wieder am Ausgangspunkt zu beginnen :)) und zwischendurch erreicht man(n) vielleicht den Punkt, wo man einfach mal fragen geht. Das Internetzeitalter spart eine Menge Aufwand und so habe ich Mitte November 2008 einfach mal eine e-Mail an den RNF geschrieben. Prompt - am selben Tag - kam auch eine Antwort der Bundessprecherin Gitta Schüßler. Beides kann im Nachfolgenden nachgelesen werden.

 

Was ich bei der Erstellung dieser Seite vor zwei, drei Tagen nicht wusste, war, dass Gitta Schüßler keine Woche zuvor von ihrem Amt als Bundessprecherin zurückgetreten war. Das zeigte mir heute - bei der Fertigstellung dieses Artikels - erst ein Blick auf die Homepage ("Gitta Schüßler ist von ihrem Amt als
Bundessprecherin zurückgetreten - siehe Rundbrief vom 11.07.2009"
).

 

Tja, das nenne ich mal Telepathie ... Frau Schüßler hätte es vielleicht in den "biologisch-esoterische Themenkomplex" (siehe Antwort) eingeordnet. Ich weiß, dass ich es nicht weiß - die Frau und ihr unergründliches Wesen eben ...



Bildquelle

Wurde die Schriftfarbe der Farbe des Kleides angepasst oder andersherum? :)

Farblich gut auf die NPD-Farben angepasst - weiß-rote Schrift,
schwarzes Kleid.

Hmm, ein weißes oder rotes
Kleid hätte vielleicht auch ganz
andere (politische) Assoziationen hervorgerufen ...

 
 

e-Mail an pressesprecherin@ring-nationaler-frauen.de & bundessprecherin@ring-nationaler-frauen.de -
16.11.2008 00:11

Sehr geehrte Frau Pressesprecherin und Bundessprecherin des RNF Deutschlands,

mein Name ist Michael Winkler und ich habe eine möglicherweise seltene, jedoch m.E. nicht völlig abwegige Anfrage an Sie.

Rein biologisch gesehen bin ich - was Sie sicher an meinem Namen erkannt haben - ein Mann, doch in jedem Mann steckt ja auch ein gewisser Teil Frau. Den Worten des Afro-Amerikaners Lenny Kravitz (NPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Gansel würde wohl "Neger" zu ihm sagen) folgend "Wer maskulin wirken will, muss sich seiner femininen Seite bewusst sein", würde ich gern untersuchen, inwiefern der RNF es versteht, neben den Frauen auch die femininen Anteile in der männlichen nationalen Bevölkerung zu motivieren.

Diesbezüglich kamen mir einige Fragen in den Sinn, welche Sie mir vielleicht beantworten können.

Bestehen diesbezüglich Möglichkeiten innerhalb des RNF, z.B. durch eine Mitgliedschaft?
Wie gehen Sie bzw. der RNF mit einer solchen komplexen Angelegenheit allgemein und konkret um?
Inwieweit sehen Sie selbst Möglichkeiten, durch die Arbeit des RNF, die femininen Anteile im Mann mit den maskulinen Anteilen in der Frau zu kombinieren bzw. zur Entfaltung kommen zu lassen?
Besteht die Möglichkeit dies innerhalb einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe im RNF näher zu beleuchten und zu analysieren?

Ich möchte mich im nationalen Interesse ganz herzlich im Voraus für Ihre Bemühungen bedanken und verbleibe alsbald mit sächsischen Grüßen

Michael Winkler.

 

Antwort Gitta Schüßler (bundessprecherin@ring-nationaler-frauen.de) - 16.11.2008 22:34 Uhr

Sehr geehrter Herr Winkler,

ich bedanke mich für Ihre interessante Anfrage.

Grundsätzlich - wie Sie vielleicht auch schon aus unseren Publikationen entnommen haben, vertreten wir die Ansicht, dass die Geschlechterrollen, das Verhalten, zu einem Großteil angeboren und nicht erlernbar ist.
Selbstverständlich spielt die Umwelt und die Erziehung eine Rolle, aber nicht die entscheidende. Wir lehnen das gender-mainstreaming-Prinzip also ab.

Nun zu Ihren Fragen im Einzelnen, vorausschicken möchte ich noch, dass es keineswegs das Ziel des RNF ist, etwaige weibliche Anteile in der männlichen Bevölkerung zu wecken - der Sinn dieses Vorhabens erschließt sich mir ohnehin nicht so recht.

1. Der Ring Nationaler Frauen ist die Unterorganisation der Frauen in der NPD, und somit erübrigt sich die Frage nach einer männlichen Mitgliedschaft. Diese steht nur Frauen offen.

2. siehe Vorbemerkung - die weibliche Seite des Mannes ist für unsere politische Arbeit nicht relevant.

3. Die Ziele des RNF bestehen in einer Vernetzung der national denkenden Frauen unter der Schirmherrschaft der NPD, Öffentlichkeitsarbeit und Bearbeitung aktuellpolitischer (vorwiegend sozialer) Themen aus nationaler Sicht - die Erforschung der Anteile des jeweils anderen Geschlechts gehört nicht zu den Aufgaben und Zielen. Dies ist, falls von den Frauen überhaupt gewünscht, dem privaten Bereich vorbehalten.

4. Nein, diese Möglichkeit besteht nicht. Abgesehen davon, dass diesbezügliche Forschungen meine Mitglieder wohl eher irritieren als erfreuen würden, gehört dieser biologisch-esoterische Themenkomplex einfach nicht zu unseren Aufgabengebieten.


Ich hoffe, Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

mit freundlichen Grüßen


Gitta Schüßler, Bundessprecherin

 


Erstellt am: 19. Juli 2009