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Krisenmanagement oder Wie man aus einer Krise lernen kann/könnte?

 

 

oder Ein "neues Kapitel Dresden" ohne Parteien und Personen?

 

Michael Winkler, Dresden, 08.05.2008

 


Wie ich in der gestrigen Pressemitteilung berichtete, kann es manchmal zu Situationen kommen, die so nicht eingeplant sind. Wenn man draußen steht und es regnet, kann man einen Regenschirm holen oder sich unterstellen. Wenn es mit Menschen zu tun hat, ist das nicht immer so einfach. Nachdem ich die letzten zwei Tage von einigen auf die überklebten Plakate angesprochen wurde, war ich häufiger - immer wieder aufs Neue - am Überlegen, wie ich damit umgehe. Insofern eine sehr interessante Erfahrung ...
 

Ich versuchte mich dabei, mal in die Standpunkte einiger beteiligter Personen zu versetzen.

In denjenigen Wahlhelfer der betreffenden Partei, die ihre KandidatIn mit einem orangefarbigen Plakat, auf dem lediglich der Slogan "Ein neues Kapitel Dresden" zu lesen ist, ins OB-Rennen schickt. Der Wahlhelfer hatte wahrscheinlich mehrere Stunden damit zugebracht, die Plakate (im Wert von ???? Euro) anzubringen und ein paar Stunden später ist eine überaus schlecht gepixelte Graphik, die bei näherem Hinsehen mein Gesicht darstellte, darüber geklebt. Da sich der Wahlhelfer und ich schon einige Male in den letzten drei Jahren über den Weg gelaufen sind, war bei ihm der Schluss natürlich naheliegend, dass ich es gewesen sei. Er kam am Dienstag (6.5.2008) vors Rathaus, schüttete offensichtlich "etwas geladen" eine Tüte mit den abgeweichten Überklebungen vor meine Füße und beschuldigte mich der Tat. Fingerabdrücke seien bereits gemacht und die Kosten würden auf mich zukommen. Ich bot ihm an, doch gleich die Polizei zu holen, worauf er jedoch nicht einging. Da mittlerweile einige Passanten und - wie es dann immer so ist (der Zufall kennt kein Erbarmen :), Vertreter der Presse neben uns standen, bot ich ihm an, erst einmal in Ruhe zusammen einen Kaffee zu trinken, was er jedoch ablehnte. Entspannung der Krise war da nicht so recht möglich ... Ich fragte ihn, ob er wirklich glauben würde, dass, wenn ich so etwas tun würde, eine derart schlechte Graphik benutzt hätte (die jeder aus dem Internet runterladen kann). Zudem war ein Termin meines Erscheinens vor dem Rathaus darauf vermerkt, an dem ich einen "regulären Arbeitstag" hätte ... Das war dem dynamischen Wahlhelfer dann auch nicht glaubwürdig, denn plötzlich war ich eben der "Anstifter" der Aktion ... tja, Entspannung der Krise wieder einmal vertagt ...

 

Aus Sicht der Partei ohne Namen und der OB-Kandidatin ohne Gesicht fragte ich mich dann, warum das alles. Ist das eine Wahlwerbestrategie? Kommen die Gesichter und der Name der Kandidatin erst später in die Öffentlichkeit? Ist sich die KandidatIn jener Partei ihres Sieges vielleicht schon so sicher, dass es völlig unnötig erscheint, etwas transparenter zu sein? Wissen dann ehedem alle, dass da nur noch eine Partei fehlt? Oder ist es vielleicht eine erwachsene Form des Kinderspiels "Ich seh' etwas, was du nicht siehst?"? Oder bedeutet das ganze, dass das "neue Kapitel Dresden" ohne Parteien und ohne Personen geschrieben werden wird? ... Hmm, wer weiß ... wir werden es wohl bald wissen.

Manche meiner Gesprächspartner meinten - in gewisser Weise nachvollziehbar -, dass ein farbiges Plakat ohne Absender ja fast schon einladend sei für Aufklebungen jeglicher Art. Tja, als einer aus dem "Wahlkampfzirkus" sah ich das relativ neutral (witzigerweise), denn was nützen mir die anderen Kandidierenden in meinem eigenen "Wahlkampf" außer in dem Punkt, dass ich verfolgen kann, wie sie was machen, um auf sich aufmerksam zu machen? Wenn ich gegen einen wäre, hätte ich von vornherein verloren ... doch dazu habe ich mich nicht auf das Abenteuer "OB-Wahl Dresden 2008" eingelassen, sondern, weil ich nicht für eine/n sein kann. Das trifft sich auch mit meiner Hauptintention für eine mögliche Kandidatur: Ich habe mich selbst aufgestellt, weil ich nicht wusste, wen ich aus der Garde der "etablierten Parteien" hätte wählen können. Wegen mir können auch alle gleichzeitig OB werden und sich die Aufgaben teilen ...

 

Aus der Sicht des Überklebers kann ich nur sagen, dass er seine eigenen Ideen dort verwirklicht hat und auch da habe ich in gewisser Weise Verständnis. Dass ich es besser finden würde, öffentliche mich betreffende Aktionen vorher mit mir abzusprechen, hatte ich als bekannt vorausgesetzt ... doch wenn es nicht so ist, ist es eben so ... Veränderungen können nur in der Zukunft kommen. Was passiert ist, ist passiert.

Was der "Täter" damit erreichen wollte, ist allein seine Angelegenheit. Die Aufarbeitung des Geschehenen ebenso ...

 

Aus meiner eigenen Perspektive kamen da so verschiedene Blickpunkte ins Spiel. Ich wurde u.a. darauf angesprochen, was ich mit "spiritueller Politik" (stand auf den Überklebungen) meinen würde. Da musste ich natürlich erst einmal überlegen, denn wie geht man mit Dingen um, die einem zugeschrieben werden, doch man nicht dafür verantwortlich ist. Das gab mir Anlass, wirklich mal über diese Sache nachzudenken. Zwei Tage nach der Aktion kam mir so in den Sinn, dass es "spirituelle Politik" eigentlich nicht gibt. Was es gibt, ist "spirituell beeinflusste" oder "spirituell gelenkte" Politik. Spirituell verbinde ich persönlich mit dem Wort Seele bzw. Herz ... kurzum: es gibt Politik mit Herz und Seele, doch keine Politik von Herz und Seele. Oder mal etwas plakativ ausgedrückt: einen Kuchen aus Liebe kann man nicht essen, doch einen mit Liebe gebackenen sehr wohl. Und Politik (bzw. der Kuchen) ist das letztlich Sichtbare, das vorher über den Geist (z.B. übers Kuchenrezept) erdacht wurde.

 

So weit, so gut ... wofür solche Aktionen alles gut sein können ... naja, Krise steht ja - wenn man dem Wikipedia-Eintrag mal glauben darf - nicht umsonst für "eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation".

 

Und Wendepunkte werden wir in Dresden wohl in Zukunft des Öfteren erleben ... soviel ist gewiss.

 

In diesem Sinne, alles Gute und bis bald, Micha(el) Winkler.

 


Erstellt am: 08.05.2008