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Grundeinkommen (Teil 2) -
"Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?"

 

 

Michael Winkler, Dresden, 24.04.2008


 

Was kommt nach Hartz IV? ... "Hartz V natürlich", würden die meisten wohl scherzhaft antworten. Natürlich wissen wir es alle nicht, zumindest, wenn wir nicht in einer der Kommissionen in Nürnberg oder Berlin sitzen. Neue Gesetze für den Arbeitsmarkt entstehen jeden Tag ... ohne unser Wissen. So ist das und so wird es eine ganze Weile bleiben. Vielleicht auch nur eine kurze Weile ... auch das wissen wir nicht genau. Wir können nur daran glauben. Oder auch nicht ... Das Hauptproblem vom jetzigen Arbeitsdenken wegzukommen, ist wohl weniger das Fehlen neuer Ideen, sondern das offenbar schwierige Loslassen von den alten Modelle. Wie im Leben eben: Verlieben ist leicht, Liebeskummer dauert meist länger.

 

Die Schweizer "Initiative Grundeinkommen" startet ihre Internet-Präsenz daher mit einer m.E. nach ganz richtigen und sehr wichtigen Frage:

"Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?"

 

Plötzlich könnte aus dem Hobby könnte ein Beruf werden, ohne dass ständig das Argument "Davon kannste doch nicht leben" oder "Studier mal lieber was Ordentliches" oder "Das ist doch brotlose Kunst." kommen würde. Und wenn diese Argumente doch kommen, würden sich die Beruf genau der selben Leute wahrscheinlich bald in "brotlose Kunst" verwandeln oder in etwas "Unordentliches".

 

In Dresden gibt es derzeit rund 40-50.000 sog. Arbeitslose, das sind soviel Menschen, wie Freiberg Einwohner hat. Wenn davon nur die Hälfte eine Arbeit machen könnte, die ihnen wirklich Freu(n)de bringt, dann hätte das auch Auswirkungen auf den Rest der Stadt. 20-25.000 Menschen haben Freunde und Familie, die würden vielleicht bald merken, dass es auch anders geht als über den konventionellen Arbeitsweg.

 

Hartz V ist in Sicht, wenn mehr und mehr Menschen feststellen, dass Hartz IV kein ewiges Problem darstellt, sondern bei eigener Mithilfe in ein eigenes Hartz V umgewandelt werden kann. Auf schnelle Entscheidungen seitens der Politik braucht da wohl keiner zu warten ... Politiker reagieren in solchen Fällen meist nur auf die Veränderungen in der Gesellschaft, welche sich schon seit Jahren abzeichneten ... ganz zu schwiegen von den monatelangen Machtgerangel, welches Konzept denn nun das beste sei.

 

Es ist letztlich wie auf einem orientalischen Basar ... Handeln ist angesagt und zwar in doppelter Hinsicht. Es ist ein Handeln mit Politikern, die - ähnlich wie bspw. der Teppichverkäufer in Istanbul - auch sauer sind, wenn man gleich beim ersten Angebot "Ja" sagt. Das geht sowohl dem Teppichverkäufer als auch dem Politiker gegen die Ehre ... fragt einfach mal nach. Und wenn man mit einem Teppichverkäufer handelt, dann wird der Preis umso höher desto verkrampfter man ist. Insofern ist aktive Entspannung angesagt ... wenn man interessiert ist, dann einfach mal so tun als hätte man kein Interesse und der Einstiegspreis ist nur halb so hoch. Das aktive Handeln liegt dann an jedem/r selbst ... es mag gut sein, GEGEN etwas zu sein, besser (auch persönlich) ist es, bereit zu sein, auch über das FÜR nachzudenken.

 

Einen Essay mit ein paar Gedanken aus meiner persönlichen Hartz-IV-Zeit findet Ihr hier - "Meine Ehe mit Petra Hartz".

 

In diesem Sinne ... Bis zum nächsten Mal, Michael Winkler.

 


Erstellt am: 24.04.2008