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Das liebe Geld ... Teil 1

 

 

oder Wenig Geld im Elbtal? ... Was tun?

 

Michael Winkler, Dresden, 29.04.2008

 

Mit dem Geld ist das ja so eine Sache. Die einen haben notorisch zu wenig; zumindest behaupten sie das. Die anderen wissen einfach nicht, wohin damit. Von einem Fond zum nächsten, hier eine Immobilie, da eine Aktie, dort ein neuer Wagen. So richtig glücklich scheinen sie jedoch auch nicht zu sein.

 

Eigentlich könnte alles so einfach sein, wenn dem Gelde wieder sein eigentlicher Sinn gegeben werden könnte, dem eines Tauschmittels. Es verbindet Menschen, wenn sie mit etwas handeln wollen. Der eine von anderen etwas braucht. Doch wie es eben manchmal so ist, reizen die Mittler mehr als das Endprodukt und so wurde das Spiel im Laufe der Evolution umgedreht. Nicht selten verbindet Mensch sich mit anderen Menschen, um an Geld zu kommen. Die Priorität verschob sich zu Gunsten des Geldes und nicht seines Erfinders, des Menschen. Dass da Neid, Missgunst, enorme Gegensätze zwischen Arm und Reich (wie auch immer man dies messen möchte) entstehen, liegt nahezu auf der Hand.

 

Seit einigen Jahren schwirren immer wieder mal Hiobsbotschaften über die bevorstehende Finanzmarktkrise durch die Weltmedien, die ihren bisherigen Höhepunkt Ende 2007/Anfang 2008 hatte (Chronik über die Finanzkrise in der Wirtschaftswoche). Der Internationale WährungsFond (IWF) schätzte die gesamten Verluste (wo ist denn das Geld jetzt? ... sind es nicht auch Gewinne?) im April 2008 auf rund 945 Milliarden Dollar. Dass Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt letztlich zurücktrat, ist nur eine Folgeerscheinung der weltweiten Krise ... die mittel- und langfristigen Folgen kommen wohl demnächst. Was also tun?

 

Einige kamen bei globalen Finanzkrisen - so z.B. Ende der 1920er Jahre - auf die Idee, sich sozusagen ein zweites finanzielles Standbein zu schaffen. Eine Möglichkeit davon wird häufig unter dem Begriff Regionalwährung erwähnt. Was der Zweitjob im Arbeitsleben, ist die Regionalwährung auf dem finanziellen Sektor. Eine Ergänzung für Notfälle, in besonders schweren Krisen nicht selten der Hauptschwerpunkt. In Dresden startete vor einigen Jahren eine Gruppe realistischer Idealisten das Projekt des Elbtalers, welches insbesondere für den regionalen Mittelstand interessant werden könnte.

 

Da jede Krise etwas Neues hervorbringt, indem alte Dinge offenbar wegbrechen, wird es also in Geldsachen auch in Zukunft spannend bleiben.

 

Insofern alles Gute und viel(e) Freu(n)de beim Ausüben "aktiver Entspannung", Michael Winkler.

 

Im Nachgang: Dass finanzielle Turbulenzen keine kurzfristigen Angelegenheiten sind, die wir mitunter beim Einkauf im Supermarkt, sog. Tante-Emma-Läden oder in einer Verbrauchergemeinschaft (VG) feststellen, dürfte sich u.a. beim Thema "Rente" zeigen. Eine Geschichte, die ich vor fast genau 4 Jahren mit einer recht bekannten Bank (Bank X) in Dresden erlebte, sei deshalb an dieser Stelle noch einmal aufbereitet (Originaltext stammt vom März 2004).

Vielleicht habt ihr ein paar Minuten Zeit zum Lesen ... für allgemeine Heiterkeit und möglicherweise eine "erste allgemeine Verunsicherung" (oder auch schon die zweite oder dritte) wird definitiv gesorgt. Versprochen ...

 

 

Das liebe Geld ... Teil 2

 

Wie mensch mit recht wenig Geld trotzdem oder gerade deshalb Spaß haben kann - "Herr Winkler, wir sollten mal ..."

 

 

„Herr Winkler, wir sollten mal ...
... über ihre Zukunft nachdenken.“, sagte mir die weibliche Stimme am anderen Ende der Telefonleitung. Das fand ich richtig gut, denn ich war gerade seit 14 Tagen ohne festen Arbeitsplatz und da war Licht am Ende des Tunnels. Die Bank X [Anm. M.W., 29.04.2008: es hätte im Übrigen auch fast jede andere sein können - besonders agil waren jene, die später die "kostenlosen" Girokonten anboten] kümmert sich also um ihre Schäfchen ... bevor sie ihre eigenen ins Trockene gebracht hatte?? Frau Y von der Bank X wollte mir also etwas über Rentenversicherung und Altersvorsorge etc. erzählen. Zunächst stockte ich etwas. Ich fragte sie, ob sie meine ehrliche Meinung hören wolle. „Natürlich wollen wir das.“, antworte Frau Y. Ich sagte ihr, dass ich bemerkt habe, dass die Bank X einer der Global Player wäre und dass ich ernsthaft überlegte, mein Konto zu kündigen [Anm. M.W.: Was ich dann auch einen Monat später tat]. Ich sagte ihr, dass ich es verwunderlich finde, dass in Zeiten wo alle sparen, die Bank X ihren Jahresgewinn von 397 Millionen (2002) auf 1,37 Mrd. Euro (2003) mehr als verdreifachen konnte [clevere Menschen googeln mal bei diesen Zahlen]. Ich fragte sie, ob da nicht wenigstens etwas für die Angestellten übrig bleiben würde. Frau Y betonte, dass sie stets ihr Gehalt pünktlich auf dem Konto hatte und dass sie sich über ihren Arbeitsgeber nicht beschweren könne. Über finanzielle Dinge könne sie natürlich keine Auskunft geben. Ich sagte ihr darauf, dass ich das auch gar nicht wolle, sondern nur mal prinzipiell anfragen wolle. Man mache sich ja so seine Gedanken. Nach einer gewissen Zeit vereinbarten wir uns für gestern morgen 10 Uhr.

Adam Ries über’s Ohr gehauen
Da war ich dann – entgegen meiner sonstigen Art – auch pünktlich dort. Frau Y von der Bank X sagte mir, dass momentan noch alle Besprechungszimmer voll wären und bat mich etwas zu warten. Es war 10:25 Uhr und ich wollte gerade aufstehen und mich erkundigen, ob sie denn noch Lust hätte bzw. wie es denn aussehen würde, als sie schon von selbst kam .. ja, Telepathie funktioniert offenbar auch in den recht sterilen Räumen der Bank X.
Bei einer Tasse Kaffee fragte sie mich dann, was ich denn später als Rentner mal für Ansprüche hätte. Viele würden ja immer glauben, dass man als Rentner weniger Geld bräuchte, aber das stimme gar nicht ... man reise mehr, man gibt auch so eben mehr Geld aus. Frau Y hatte offensichtlich den Schulungskurs bei der Bank X mit Bravour bestanden. Die Argumente kamen wie als würde sie das zehnmal am Tag erzählen (Ich weiß, das macht sie ja auch). Ich sagte ihr, dass ich wohl momentan so um die 800 Euro bräuchte, wenn man ein normales Leben führen wöllte (ich weiß, man kann auch mit der Hälfte überleben, aber das kommt später). Bei einer jährlichen Inflationsrate von 3 % und noch 37 Jahren bis zur Rente, wären dass dann ungefähr 2400 Euro, die ich im Jahre 2040 bräuchte. Frau Y tippte die Zahlen in ihren Pentium-Computer und dieser brachte wie von Geisterhand eine Zahl von 533 Euro hervor, die ich nun monatlich für meine Private Rentenversicherung zahlen müsste. „Das ist aber ganz schön viel, oder?“, fragte ich sie. Nun, davon müsste ich ja noch das abziehen, was ich schon in die Rentenversicherung eingezahlt hätte (mag sein, dass ich die falschen Worte verwende, aber irgendwas sollte ich jedenfalls noch abziehen). „Bleiben also ungefähr 500 Euro?“, fragte ich. „Naja, so 450 Euro.“, erwiderte Frau Y. Wir einigten uns also auf 450 Euro.

Probleme tauchen auf
Ich tat etwas naiv und meinte zu Frau Y: „Wissen Sie, ich habe da ein Problem. Auf der einen Seite soll ich konsumieren, dass die Wirtschaft wieder in Gang komme und andererseits soll ich für meine Zukunft sparen.“ Mal abgesehen davon, sei ich momentan arbeitslos (erwerbslos) und weiß auch nicht wie sich die Job-Situation in Deutschland entwickeln würde. „Naja, sie bekommen ja vielleicht wieder Arbeit.“, sagte Frau Y.

„Es sieht momentan nicht so gut aus in Deutschland, richtig?“, fragte ich Frau Y. Sie nickte. „Und in Ostdeutschland sieht’s noch schlechter aus, stimmt’s?“. Sie nickte nochmals. „Und zum Rentensparen brauche man Geld, oder?“, erkundigte ich mich anschließend bei ihr. Auch hier nickte Frau Y zustimmend. „Naja, sie müssen eben wissen, was Sie später mal brauchen.“

Ich fragte Frau Y, wie es denn in einem anderen Fall aussehen würde. Zum Beispiel, wenn ich keine Arbeit bekommen würde und in die Sozialhilfe abrutschen würde. Ich bekäme dann so um die 350 € [Anm. M.W. 29.04.2008: damals kannte ich die genauen Geldsätze von Hartz-IV-ALG-2 noch nicht], mit der 3%-igen Inflation wären das im Jahr 2040 knapp 1100 €. Frau X tippte die Zahlen wieder in die Tastatur und in Null-Komma-Nichts erschien die magische Zahl 239 €. Ich muss hinzufügen, dass die Zahl nicht ganz korrekt ist, da ich 1,0337 per Hand in den (nicht wissenschaftlichen) Taschenrechner eingegeben hatte und einmal zuviel auf die „=“-Taste drückte. Folglich ist das Ergebnis etwas weniger schlimm als ich es hier aufzeige. Anschließend fragte ich Frau Y, ob sie jetzt mein Problem verstehen würde, wenn ich 350 € monatlich habe und davon 239 € in die Rentenversicherung einzahlen soll. Aber auch hier kam mir Frau Y schon entgegen. „Wenn Sie jährlich die Summe überweisen, dann sparen Sie noch 5 %.“, versuchte sie mich zu beruhigen. Ja, es gibt auch sicherlich eine Unmenge an Sozialhilfeempfängern, die immer am 1. Januar eines Jahres ohne Probleme 2700 Euro überweisen können. Das hatte ich vergessen. Nun, selbst wenn sie das täten, würden sie sicherlich irgendwann das Sozialamt vor der Tür stehen haben mit der Frage: „Geht es Ihnen gut?“

Frau X ist verwirrt, doch sie lächelt
Frau Y meinte, dass ich dann eben momentan keine Rentenversicherung abschließen könne und ich warten solle bis ich wieder Arbeit hätte. Ich sagte Frau Y, dass ich es dennoch doch sehr erstaunlich fand, wie die Bank X ihren Gewinn im Jahre 2003 derart entwickeln konnte. Nun bin ich ja nicht umsonst zur Bank X gekommen, um mir nur Zahlenbeispiele vorrechnen zu lassen, sondern ich wollte neben dem Spaß, den mir Frau Y bereitete, noch ein paar andere Dinge abklopfen. Ich schaute also Frau Y mit den naivsten und unschuldigsten Augen, die ich so hinbekommen konnte, an und meinte: „Wenn Sie wirklich in meine Zukunft investieren wollen, dann könnten Sie mir ja zum Beispiel ein Promotionsstipendium geben. So habe ich irgendwann auch Arbeit und wir können über eine Finanzierung reden.“ Frau X tat das, was ihr noch übrig blieb: Lächeln und sagen, dass so etwas natürlich nicht gänge. Wir lächelten uns beide an und plötzlich meinte sie, dass wir beide wohl so nicht weiterkommen würden. Ich sah, sie hatte das Problem endlich verstanden.

Ist der Chef da?
Nun machte ich etwas, was immer wirkt bei “kleinen Angestellten”, die „nur ihren Job machen“ und eingeschränkte Machtbefugnisse haben und die eigentlich ganz froh sind, dass sie solche “Typen wie mich” endlich abgeben können. Ich fragte Frau Y, ob ich den Geschäftsführer bitte sprechen könne. „Nein, das geht nicht.“, antwortete sie recht schnell. „Warum denn nicht?“, wollte ich wissen. „Er ist in einer Beratung. So einfach geht das nicht.“, meinte Frau Y. Wie dem auch sei, nächsten Dienstag habe ich nun bei Herrn Y, Geschäftsführer der Bank X in Dresden, einen Termin. Vorsorglich werde ich mich des Tipps eines ehemaligen Kollegen annehmen und werde nächste Woche im Anzug in der  Bank X erscheinen. Kleider machen Leute .. das weiß man bei der Bank X wohl am besten. Und wenn ich schon mal da bin, lässt sich vielleicht gleich ein 10-köpfiges Forschungsinstitut beantragen, denn bei 1,4 Mrd. Euro im Jahr lassen sich ungefähr 28.000 Arbeitsplätze schaffen, wenn man mal eine fiktive Zahl von 50.000 € pro Arbeitsplatz annehmen würde (Da fällt mir wieder auf, dass man eigentlich besser „1.400.000.000“ schreiben sollte statt „1,4 Mrd.“).

 

...

 

Zurück ins Jahr 2008 ...

Das Treffen mit dem Geschäftsführer Z von der Bank X wurde von Frau Y noch einmal telefonisch verschoben. Wir trafen uns dann am 1. April 2004 ... und das alles war wirklich kein Aprilscherz. Ich kleidete mich in meinen gerade aus Indien mitgebrachten maßgeschneiderten Smoking (Material und Produktionskosten zusammen übrigens rund 70 Euro) und erschien wieder in der Bank X. Auf der Toilette schaute mich vom Spiegel über dem Waschbecken ein Aufkleber mit der (Motivations-)Aufschrift "Heute schon gelächelt?" an. Das hatte ich bis dahin schon etwas getan, was die nächste Stunde folgte war eine Mischung aus Totlachen und einem Lachen, dass einem recht schnell im Halse stecken bleiben kann, wenn ich bedenke, dass viele einen anderen Weg wählten als ich. Der junge Geschäftsführer war kaum älter als ich damals, adrett gekleidet, mit ein paar lockeren Sprüchen auf Lager ... kurzum sympathisch. Er machte das ganze Programm noch einmal durch, brauchte etwas länger als Frau Y ein paar Tage zuvor, da es wahrscheinlich nicht seine sonst ausgeübte Tätigkeit war. Die Zahlen wurden immer größer und ich zeigte mich naiv-skeptisch ... Er bemerkte meine Skepsis, nicht zuletzt durch ein paar ungläubige Fragen meinerseits verstärkt. Ein Satz seinerseits ist mir wie heute noch in den Ohren "Herr Winkler, Sie müssen etwas tun, wenn Sie nicht zum Jammertal derer gehören wollen, die irgendwann einmal sagen 'Hätte ich doch mal ...'".

 

Ich habe nichts getan, sondern ging nach einer Stunde mit der Bemerkung "Ich werde nochmals drüber nachdenken."

 

Und das "Mal drüber nachdenken" mache ich heute immer noch, wenn ich bedenke, dass die Bank X in den Jahren 2006 und 2007 jeweils reichlich 6 Milliarden Euro Gewinn (nach Steuern) machen konnte. Oder wenn ich z.B. lese, was ein gewisser Herr Dr. Gerhard Rupprecht, Vorsitzender des Hauptausschusses Leben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDI), im Artikel "Aktuelles aus der Lebensversicherung" unter "II. Geschäftsentwicklung 2004" im April 2005 schrieb: "Ein Plus im Neugeschäft bei den Verträgen von 35 Prozent ist exorbitant."
 

So weit, so gut ... nach diesem exorbitant langen Beitrag ist es wohl wirklich an der Zeit, mich für heute zu verabschieden.

Alles Gute - auch ohne private Rentenversicherung - Micha.
 


Erstellt am: 29.04.2008