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Frau & Mann - im Blickwinkel der Gleichstellung

 

 

oder Was hat Lenny Kravitz mit Dresden zu tun?

 

Michael Winkler, Dresden, 01.05.2008

 


Wenn mensch sich als OB-Kandidat meldet, dann kommt mensch nicht umhin, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die mensch sonst eher am Rande "abhandelt" ... manchmal sind es auch völlig neue Themen. Naja, und da kam dann Anfang April 2008 ein Brief aus dem Büro der Dresdner Gleichstellungsbeauftragten Kristina Winkler (nein, nicht mit mir verwandt ... zumindest nicht das ich wüsste) ... Thema "Dresden, eine Stadt der Frauen und Männer?" (Homepage: www.dresden.de/frau-mann).

Die sechs zu beantwortenden Fragen werden Teil eines Handouts (dt. Handreichung :) sein, das ab Mai 2008 im Umlauf sein wird. Ich habe die Gelegenheit mal genutzt, meine Gedanken auch gleich öffentlich zu machen ... Wer Transparenz fordert und sich auf die Fahnen schreibt, kann ja ruhig mit gutem Beispiel vorangehen ... viel(e) Freu(n)de beim Lesen.

 

In diesem Sinne, alles Gute und bis bald, Micha(el) Winkler.

 

PS: Im Übrigen, wer Lenny sucht ... der befindet sich am Ende des Textes unter Frage 6.

 

 



Befragung zum Thema „Kommunalpolitik konkret: Dresden, eine Stadt der Frauen und der Männer?“

 

Michael Winkler, OB-Kandidat (unabhängiger Einzelbewerber) – Dresden, im April 2008

 

Vorbemerkung: der Einfachheit halber wurde die weibliche Personenform verwendet, um einen anderen Blickwinkel zu ermöglichen.

 

 

1.  Welche politische und gesellschaftliche Bedeutung messen Sie Fragen zur Gleichstellung von Frau und Mann bei?

Als ein Mensch, der gelegentlich vom Phänomen des Stotterns beglückt wird, ist mir insbesondere im Laufe der letzten 10 Jahre die Wichtigkeit der Sprache und der Wahl der Worte bewusst geworden. Eine Gleichstellung von Frau und Mann ist m.E. etwas irreführend. Was die nichtbiologische Betrachtung – und so verstehe ich das Anliegen – anbetrifft, halte ich bei der Unterteilung in Frauen und Männer das Wort Gleichberechtigung angebrachter. Die Diskussionen, was die Unterschiede zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung sind, füllen sicher mehrere Buchbände und insofern, sehe ich es so, dass Gleichberechtigung von der Gemeinschaft beschlossen werden kann (per Gesetz etc.), eine wirkliche Gleichstellung kann jedoch nur durch das Engagement der/des Einzelnen erreicht werden. Andernfalls kommt es zu einer Verschiebung von einem Pol zum anderen (d.h. Bevorzugung oder Benachteiligung von Frauen oder Männern), was sicher nicht Sinn und Zweck der Gleichstellungspolitik sein kann.

Linguistisch gesehen halte ich z.B. die Namensgebung für das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für ungünstig, wenn nicht sogar der eigentlichen Sache entgegengerichtet. Ein Bundesministerium für Menschen könnte die einzelnen Untergruppen durchaus getrennt in Arbeitsbereichen behandeln, doch bei der momentanen Namensgebung werden von vornherein Trennung und damit latente Ausgrenzung unbewusst gefördert ... beides Sachverhalte, welche ja eigentlich ursprünglich aufgehoben werden sollten. Da ich die gesamte Problematik der Gleichstellung von Frau und Mann für eine sehr stark kommunikativ geprägte halte, sollte der Ursprung der Sache nochmals überdacht werden. Es handelt sich dabei durchaus um eine Frage der Definition.

Zudem halte ich das Thema „Grundeinkommen“, welches auch Teil meines Wahlprogramm ist (siehe u.a. www.ob-winkler.com/seiten/grundeinkommen1.htm & www.ob-winkler.com/seiten/grundeinkommen2.htm), für einen weiteren Schritt in Bezug auf die Gleichberechtigung aller Menschen, wobei das Grundeinkommen individuell (unabhängig vom Partner) ausbezahlt werden sollte. Alles, was darüber hinaus erarbeitet wird, fällt in die Rubrik „Leistungsgesellschaft“ und dort sollte der Markt entscheiden, welcher Mensch für welchen Job am besten geeignet ist. Kluge und mit Weitblick ausgestattete Personalerinnen schauen weniger auf das Geschlecht, wenn es um das Wohl eines Unternehmens und somit im erweiterten Sinne um das gesamtgesellschaftliche Wohl geht, sondern auf die Leistung.

 

2.  Welche Schwerpunkte in der Gleichstellungspolitik für Dresden wollen Sie in Ihrer Amtszeit voranbringen?

In erster Linie die stärkere Betrachtung der Definitionsfrage, um künftig die Zahl der m. E. künstlich erzeugten Konflikte zu reduzieren. Das mag zunächst nach rein theoretischen Spielereien klingen, doch im Grunde ist dies die Basis für jegliche praktische Arbeit. Zudem haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt, dass diesbezüglich noch Klärungsbedarf besteht. So empfand ich es als in gewisser Weise diskriminierend, als ich vor etwa zwei Jahren einer Lesung einer Freundin in einem Dresdner Frauenzentrum nicht beiwohnen konnte, da diese nur für Frauen zugänglich war.

Schwerpunkt meiner möglichen Amtszeit wird demnach insbesondere die Aufhebung der sprachlichen Trennung zwischen „Frau und Mann“ hin zu einer stärkeren Verwendung des Wortes „Mensch“ sein. Dies bildet m.E. nach die theoretische Grundlage, auf der alle anderen praktischen Umsetzungen aufbauen.

 

3.  Welche Rolle spielt für Sie Gender Mainstreaming und Gender Budgeting in der Verwaltung?

Wie die Frage bereits offenlegt, hängt die Durchsetzung der sog. Gleichstellung in vielen Fällen mit dem Faktor Geld zusammen. Persönlich halte ich eine Trennung in frauen- und männerspezifische Projekte nicht für zielorientiert, sondern führt dies in vielen Fällen m.E. zu einer Vertiefung der bestehenden mentalen und psychischen Gräben. Es sollte daher sukzessiv auf eine themenbezogene Förderung umgestellt werden. In der praktischen Umsetzung kann dabei durchaus auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern geachtet werden. Dies ist jedoch vom Projekt abhängig zu entscheiden und kann nur anhand praktischer Fälle überprüft werden. So könnten die Entscheidungskommissionen ausgewogen aufgestellt werden, sowohl geschlechtsspezifisch als auch altersmäßig.

 

4.  Wie wollen Sie auf das momentane Kindertagesplatzangebot aufbauend die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer fördern?

Jedem Kind sollte möglichst unkompliziert ein Kindertagesstättenplatz angeboten werden können, ohne dass dies zu einem Zwang werden zu lassen. Eine leichtere Auswahl der Kindergärten ist dabei wichtig, was durch die Internetseite www.dresden.de/kitas ja bereits sehr gut unterstützt wird. Die Arbeit als Tagesvater bzw. Tagesmutter sollte m.E. nach vereinfacht werden, da dieser Weg ein guter Mittelweg zwischen „Hauserziehung“ und Kindertagesstätte darstellt.

Eine vielleicht noch wichtigere Frage ist jene nach der Organisation der Arbeit bzw. der Arbeitsmarktpolitik überhaupt. Insofern halte ich das Thema „Grundeinkommen“ auch unter dieser Frage für ein sehr wichtiges und ebenso in Dresden durchsetzbares. Die mentale Trennung von „Beruf“ und „Familie“ in eine „Entweder-Oder-Frage“ kann damit mittelfristig zu einer „Sowohl-als-auch“-Antwort umgewandelt werden. Diesen Denkprozess kann die Politik jedoch nur unterstützen und gegebenenfalls „vorleben“, jedoch nicht vorgeben.

 

5.  Welche Perspektiven verbinden Sie mit der Arbeit der Frauen- und Männerprojekte?

Prinzipiell sehe ich da vielversprechende Perspektiven für den Fall, dass beide Projektarten miteinander verknüpft werden. Wie bereits angedeutet, halte ich eine konkrete Trennung in Frauen- und Männerprojekte für nicht zielführend und m.E. dem Begriff des „Gender Mainstreaming“ entgegengesetzt. Eine Trennung ist nur dann sinnvoll, wenn sie eine Vereinigung bereits beinhaltet. So könnte Frauenprojekte durch Männer und andersherum bearbeitet werden, günstigerweise vielleicht mit einer Projektleiterin vom jeweils anderen Geschlecht.

In den meisten Fällen könnte es wohl auch so sein, dass die Arbeit am jeweiligen Projekt selbst schon die Probleme der Gleichtstellung/Gleichberechtigung offenlegen wird. Im Grunde genommen sind ja die meisten Arbeitsteams Frauen- Männer-Projekte.

 

6.  Warum sollen die Dresdner Frauen und die Dresdner Männer Sie zu ihrem Oberbürgermeister wählen?

Weil jede Dresdner Frau einen maskulinen Teil und jeder Dresdner Mann einen femininen Teil in sich tragen. Der US-amerikanische Musiker Lenny Kravitz drückte dies in einem Interview mit der Zeitschrift GALORE (Nr. 36) – für seinen Fall betrachtet – wie folgt aus: „Wer maskulin wirken will, muss sich seiner femininen Seite bewusst sein“ (www.galore.de/index.php?id=48&interview=624). Im umgekehrten Falle trifft dies auch für Frauen zu.

Diejenigen Menschen, die sich dessen bewusst sind bzw. vielmehr bewusster werden, werden auch wissen, warum sie Michael Winkler zu ihrem Oberbürgermeister wählen wöllten.

 


Erstellt am: 30.04.2008, ergänzt am 03. & 27.05.2008