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Michael "James Bond" Winkler ...
Ermittler und Schnüffler im Namen der ARGE und des Staates

Bewerben bei der ARGE leicht gemacht?

 

oder Warum Offenheit besser als Geheimtuerei ist

 

Michael Winkler, Dresden, 18.04.2009



Manchmal bringt das Leben unverhofft neue Chancen. Manchmal übersehen wir sie, manchmal sollte man wohl einfach mal den NIKE-Werbespruch "Just do it!" adaptieren. So geschehen als ich durch den Leiter des EDAT (Erster-Dresdner-Akademiker-Treff) auf eine Stellenausschreibung im Dresdner Amtsblatt hingewiesen wurde. Die Bewerbung wurde umgehend von mir abgeschickt und ebenso an das Dresdner Monatsblatt "Der Knüller". Nach einer Einleitung für die sich bisher nicht im Bilde befindlichen Knüller-Lesenden folgt der Text aus der Bewerbung an die Stadtverwaltung Dresden, die sich nach nur drei Tagen mit einer Eingangsbestätigung (siehe ganz unten) erkenntlich zeigte.

 

Hallo liebes Mitglied der Hartz-IV-Gemeinde und all jene, die es noch werden wollen …

„… alles Neue macht der Mai“, heißt es bekanntlich und so neu ist diese Knüller-Rubrik mittlerweile schon nicht mehr, doch eine Einleitung des Ganzen fehlte bisher. Dies sei hiermit nachgeholt.

Für ARGE-Unkundige sei kurz erläutert, dass jede/r sog. Arbeitslose eine gewisse Anzahl von „Aktivitäten“ in Bezug auf die Arbeitssuche nachweisen muss. Manche Fallmanager (FM) wählen „pro Woche“, andere „pro Monat“ (Link). Ich hatte mich fast drei Jahre nur auf Stellen beworben, die mich wirklich interessierten (rund 3-4 pro Jahr), da ich weder die 260 Euro im Jahr Bewerbungskostenerstattung wirklich brauchte und wohl vielmehr, weil ich mich nicht „pro forma“ auf irgendeine Stelle bewerben wollte. Da gibt es andere, die da besser passen. Doch irgendwann ziehen die FMs die Daumenschrauben an und es droht eine Kürzung der Leistung um 30%. Also, begann ich mich als Journalist zu bewerben – bundesweit, versteht sich. Festangestellte Redakteure werden sowieso meist nicht gesucht, also wählte ich genau diese Stellenbeschreibung, bot jedoch auch eine nebenberufliche Arbeit an, was schon ernster gemeint war.

Irgendwann wird jedoch auch dies etwas langweilig und meine FM hatte gar nichts davon – irgendwie. Also begann ich mich auf neue Stellen zu bewerben, die es bisher noch nicht so richtig gab: als Rattenfänger in Berlin-Mitte (siehe Knüller 1/2009, Link), als PR-Experte bei der Jungen Union und der CDU, konkret bei JU-Chef Phillip Missfelder (Knüller 3/2009, Link), als Stellvertreter des Stellvertretenden Chefredakteurs des Grevenbroicher Tageblattes, Herrn Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling (Link).

Und über Ostern nun das … ein Freund hatte mir den Link zu den Stellenausschreibungen im Dresdner Amtsblatt Nr. 12/2009 geschickt und wer suchte da etwas? Ja, die ARGE persönlich, konkret der Geschäftsbereich Soziales. Und was? Ja, richtig: einen Ermittler. Wir könnten ihn oder sie auch etwas spitzfindig „Schnüffler“ nennen. Zu meinen Aufgaben würden dann u.a. „Hausbesuche (Außendienst) und Recherchen (Innendienst)“ gehören, eine bisschen Statistik noch und „Weiterleitung der Erkenntnisse“. Wisst ihr, warum die DDR-Staatssicherheit so unbeliebt war? Weil sie geheim gearbeitet hat :) … Cleverer läuft’s doch, wenn alles ganz offen ist. Der Bürger darf nicht das Gefühl bekommen, dass er überprüft wird, dann wird er skeptisch oder gar misstrauisch. Machst du es offen, weil es eben so sein muss, hast du gleich viel mehr Akzeptanz, weil du zu der Sache stehst, die du da gerade tust. Eigentlich ganz einfach.

Und was lag bei meiner Hartz-IV- und ARGE-Erfahrung näher, als mich selbst als Ermittler zu bewerben? Da könnte ich mich nun endlich mal gegen Bezahlung selbst überprüfen (ach nein, geht ja nicht, bin ja dann kein Arbeitsloser mehr) und auch meinen Freundeskreises. Hmm, ob ich da die potentiellen Arbeitslosen gleich mit checke? Gerade in Krisenzeiten sollte man seinen Marktanteil doch mal’n bisschen erweitern, oder?

Ganz gleich, was passieren wird. Wenn ihr ab demnächst diesen freundlichen Mann nebenan in eurer Nähe seht, habt keine Angst. Seid einfach freundlich und beantwortet alle Fragen ordnungsgemäß. Er sieht nicht nur aus wie ein Staatsdiener, nein, er ist auch einer. Ich frage euch dann nach euren Arbeitsverhältnissen, mit wem ihr euch die Zahnbürste teilt, wieviel Geld ihr bei meinem Kombinat unordnungsgemäß beantragt habt und natürlich auch mit wem ihr schlaft – das ist dann einfach mein Job. So einfach ist das.

Und damit eines noch klar ist: Dienst ist Dienst und Bier ist Bier. Wenn ihr mich Bier trinken seht, dann könnt ihr wieder die alten Geschichten erzählen, so mit Ehrlichsein und so weiter, okay. Dann bin ich auf beiden Ohren taub …
Achja, wer jetzt fragt, was das für ein Aufkleber ist, den ich da in der rechten Hand halte, der sei davon informiert, dass ich beabsichtige, mich demnächst auch als Checker/Überprüfer der vom Aids-Hilfe Dresden e.V. und der Stadt Dresden (Gesundheitsamt) ins Leben gerufenen Initiative „Pflege deinen Schwanz“ (www.pflege-deinen-schwanz.de) zu bewerben. Dieses Foto wird als Bewerbungsfoto verwendet werden – ihr versteht, ich muss Zeit sowie Geld sparen und Synergieeffekte nutzen.

Last but not least, wer beim Lesen der nachfolgenden Bewerbung denkt, dass ich sowieso keine Chance hätte mit meiner Bewerbung, dem sei gesagt: In Dresden ist alles möglich :)

In diesem Sinne – Check this out! … Michael Winkler.



Auszug aus den Stellenausschreibungen im
Dresdner Amtsblatt Nr. 12/2009
(bei Klick auf Graphik - Großansicht)


www.dresden.de/media/pdf/amtsblatt_2009/ausschreibung_stellen_woche12.pdf
 

Ich checke alles und jeden ...

des Tags, des Nachts und überhaupt: immer ...

Und wer sich einen ungefähren Überblick darüber machen möchte, wie so eine Ermittlung ablaufen kann, der schaue etwas weiter unten bei den Videos.


Die Bewerbung

Michael Winkler
Förstereistraße 13a
01099 Dresden


Landeshauptstadt Dresden
Haupt- und Personalamt
Postfach 12 00 20
01001 Dresden                                                                                                                                                   Dresden, 14.04.2009



Bewerbung als Ermittler – Chiffre AR090302


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Stadtverwaltung, liebes ARGE-Team,

über Ostern erfuhr ich – quasi als „Osterei“ – von einer von der Arbeitsgemeinschaft Dresden im Geschäftsbereich „Soziales“ ausgeschriebenen Stelle als Ermittler. Wohl wissend, dass die Frist (09.04.2009) schon abgelaufen ist, möchte ich es dennoch nicht unversucht lassen, mich auf diese Stelle zu bewerben, da ich meine Kompetenzen und Fähigkeiten für hervorragend halte. Dies möchte ich im Folgenden etwas näher erläutern.

Als jahrelanger ALG-II-Bezieher kenne ich einen Großteil der „Tricks“, welche letztlich in „Ordnungswidrigkeiten und Straftaten“ (siehe Stellenausschreibung) münden. Insofern erspart dies einige Einarbeitungszeit und ich kann mich auf die Sacharbeit konzentrieren, was letztlich auch der ARGE Dresden, der Stadtverwaltung, der Bundesagentur für Arbeit und letztlich in gewisser Weise der gesamten Welt zu Gute kommen könnte. Da ich selbst eher des Nachts meine kreative Phase habe, würde ich mich für die Nachtschicht bewerben wollen. Dies würde zudem eine Art „Überraschungseffekt“ bei den zu Überprüfenden auslösen und letztlich eine sehr wahrscheinlich höhere „Trefferquote“.

Zugegebenermaßen verfüge ich nicht über „einen Abschluss mit Diplom (FH), Bachelor (FH und Uni), einen Abschluss als Fachwirt (VWA, BA), eine Laufbahnbefähigung für den gehobenen Dienst bzw. den Abschluss des A-II-Lehrgangs“ (siehe Stellenausschreibung), doch ich war schon als Schulkind im Gruppenrat. Neben der Funktion des Stellvertretenden Gruppenratsvorsitzenden, war ich zudem zeitweise für die Gestaltung des Klassen- bzw. Gruppenbuchs sowie für das Einsammeln des Milchgeldes verantwortlich. Mit anderen Worten: ich bin teamfähig, kenne mich mit EDV aus und kann auf den Cent (damals Pfennig) genau mit Geld umgehen. Ebenso habe ich mich in Zahlungsmahnungen und einer gewissen Hartnäckigkeit im Ahnden von Nachlässigkeiten hervortun können. Wie bereits gesagt bzw. geschrieben, fehlt mir eine dezidierte Ausbildung auf BA-Niveau, doch ich bin – des Weiteren – schnell im Einarbeiten; insbesondere bei der ausgelobten Vergütung (laut Stellenbeschreibung „nach TVöD mit Entgeltgruppe E 9“).

Um meine Leistungsbereitschaft noch etwas zu erhöhen, möchte ich jedoch darum bitten – ähnlich wie bei der Deutschen Bahn – eine Art „Kopfprämie“ bei erfolgreicher Ermittlung bereitzustellen. Allerdings – und auch das möchte ich gleich vorweg anmerken – halte ich 0,90 Euro wie bei der Deutschen Bahn („Prämie“ beim Ertappen von „Schwarzfahrern“, Information aus „stern TV“ vom 6. März 2009) für nicht ausreichend. Ich schlage daher 25% des eingesparten Geldes nach Bereinigung des Missbrauches vor und hoffe da auf Ihr Entgegenkommen.

Abschließend möchte ich Sie noch auf meinen beigelegten Lebenslauf verweisen sowie einem Arbeitszeugnis aus Großbritannien. Im Jahr 2002 habe ich in einem Hospiz gearbeitet, welches unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles (Prince of Wales) stand bzw. steht. Ich denke, dass Ihnen diese Referenzen einen Einblick über meine Qualifikationen geben, stehe jedoch selbstverständlich auch gern für weitere Anfragen zur Verfügung. Bitte teilen Sie mir mit, wenn ich noch weitere Unterlagen nachreichen soll. Kein Problem.

Ich möchte mich im Voraus für Ihre Aufmerksamkeit bedanken und würde mich über eine Rückantwort sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Winkler.

So laufen ARGE-Hausbesuche offenbar in Ost-Friesland ab ...
auch auf www.friesenstein.de

Und damit das gleich klar ist ... In Ost-Deutschland zicke ich nicht so lange rum, da schau ich mir den Kühlschrank ohne zu fragen an und komme ohne Anmeldung :) ... wo leben wir denn?

Und zu guter Letzt noch ein Beitrag von der ARD - über "Sozialspionage" (O-Ton)

Alles, was ich der Bewerbung beilegte, war ein Lebenslauf und ein Referenzschreiben aus einem Praktikum in der Nähe von Cheltenham/England, welches mir der französisch-britische Chef in seiner Art von Humor am letzten Tag überreichte ... bevor er mir das richtige Arbeitszeugnis gab.


Die Bewerbung als PDF

(PDF bei Klick auf Graphik)


Ich geb's zu - ich schickte nur eine Schwarz-Weiß-Variante ...
 



Mein damaliger Chef war ein wirklicher Witzbold; ein gebürtiger Franzose, der selbst den berühmt-berüchtigten Humor der Briten in den Schatten stellte. Und so ließ er mir ein Arbeitszeugnis anfertigen, in dem er mir "attestierte", "alle Mythen über die deutsche Pünktlichkeit, Takt und Sinn für Humor zerstreut zu haben".


Eingangsbestätigung meiner Bewerbung vom 17.04.2009
(bei Klick auf Graphik - größere Ansicht als PDF)

 


Erstellt am: 18.04.2009