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Bewerben bei der ARGE leicht gemacht?

 

 

oder Die Internetseite für einfache ARGE-Bewerbungen


or The Manual (How to Have a No. 1 Application - The easy way) - Die KLF-ARGE-Strategie

 

Michael Winkler, Dresden, 13.01.2009


 

Wer Kunde bei der ARGE ist, hat meist zwei Dinge vor Augen. Erstens, wie kommt er davon wieder weg und zweitens, wie kann er sich die Zeit als ALG-II-Empfänger so stressfrei wie möglich gestalten. Das ARGE-Prinzip "Fördern & Fordern" ist ein theoretisch sehr gut gewähltes, welches sich im praktischen Leben jedoch meist in "Fordern & Fördern" verwandelt. Mit anderen Worten: hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Das ist prinzipiell nichts Neues, denn wer auf andere wartet, z.B. dass ihm von seinen Arbeitsvermittlern oder Fallmanagern eine Stelle angeboten wird, die ihm auch etwas nützt, der kann lange warten. Soweit stellt dies auch kein Problem dar, denn Eigenverantwortung ist lebensnotwendig, doch dadurch dass die ARGE-Mitarbeiterinnen meist selbst kaum durch die Gesetzeslage durchblicken und ihre Interessen (völlig verständlich) über jene der ALG-II-Empfänger stellen, tritt das "Fordern" in den Vordergrund. Meine Erfahrungen sagen mir, dass aus "50% Fördern und 50% Fordern" in nahezu allen Fällen "95% Fordern und 5% Fördern" werden, denn die meisten Bestimmungen der ARGE sind "Kann"'s und kein "Muss". Die momentane Ausgangsposition kennt nur Verlierer - insofern sei hier ein Ansatz geschildert, welcher eine Win-Win-Situation zu erreichen versucht, von der alle Beteiligten profitieren.
 
Bewerbungsdruck auf allen Seiten und wie man damit umgehen könnte ...

Was also tun, wenn pro Monat acht Bewerbungen nachweisen muss, da einem ansonsten die Leistung gestrichen wird? Was tun, wenn man möglichst keine reinen Schein-Bewerbungen schreiben möchte, einem Schritt zu dem schon seit Jahren Hunderte oder Tausende sog. Arbeitsloser übergegangen sind? Eine Tendenz, welche von ARGE-Mitarbeitern (insbesondere in höheren Positionen) gern verdrängt wird. Was tun, wenn man weiß, dass die offenen Stellen, welche Unternehmen jeglicher Art bei der ARGE einreichen schätzungsweise nur einem Drittel der Anzahl der sog. Arbeitslosen gegenüberstehen? Was tun, wenn man weiß, dass es neben über 3 Mio. "richtigen" Arbeitslosen bundesweit noch über 3 Millionen sog. "Aufstocker" gibt, die offiziell nicht arbeitslos sind, jedoch Hartz-IV-Leistungen beziehen, da sie weniger als ALG II verdienen? Ganz zu schweigen von den ca. 700.000 Menschen in Deutschland, die offiziell nicht arbeitslos sind und auch keine Leistung bekommen. 

Mir kam da eine Idee, die zwar etwas zunächst eigenartig anmuten mag, doch eigentlich sehr nahe liegend ist. Seit einigen Jahren schreibe ich für diverse Zeitschriften (Artikel u.a. hier) sowie wissenschaftliche Artikel (Hauptthemen: Stadtentwicklung, Kartographie). Mein Ansinnen, mich als Wissenschaftsjournalist zu bewerben und mir mit Hilfe der ARGE einen Lehrgang finanzieren zu lassen, wurde abgelehnt. Um mein Anliegen ein bisschen zu unterfüttern, hatte ich meine Arbeiten im Kurzfilmbereich, bei einem freien Radiosender und eben meine quasi-journalistische Tätigkeit gegenüber meiner ehemaligen Fallmanagerin erwähnt und ihr vorgezeigt. Sie tat das mit einer recht kurzen, doch sehr viel sagenden Bemerkung recht schnell ab: "Das ist doch brotlose Kunst." 
Ja, Motivationstrainer sind einige Fallmanager wahrlich nicht.

Irgendwann wurde mir klar, was einige (alle) Fallmanager wollen: ihre eigene Statistik erfüllen, denn auch sie stehen unter Druck. Ob dabei wirklich etwas sinnvolles rauskommt, ist erst einmal völlig sekundär. Problematisch ist die ganze Sache Arbeitsvermittlungssache für die Fallmanager sowieso, denn mit jedem Arbeitslosen weniger, nimmt sich ein Fallmanager bzw. Fallmanagerin (in 90% sind Fallmanager Frauen) die eigene Kundschaft weg. Was man da braucht, wissen im Handel Tätige schon längst: eine ordentliche Kundenbindung, z.B. über nachzuweisende vier (48 pro Jahr), acht Bewerbungen pro Monat (96 pro Jahr) oder wahlweise zwei Bewerbungen pro Woche (105 pro Jahr).


Die "vierte" Säule der Demokratie als vermittelndes Glied in einer Win-Win-Situation

Mir kam irgendwann im Herbst 2008 - nach einem Gespräch mit meiner Fallmanagerin - die Idee, mich als Journalist zu bewerben. Die Presse gilt als Korrektiv in der Demokratie, als "vierte Säule" der Demokratie neben Legislative, Judikative und Exekutive, und somit könnte mir der Kontakt zur Presse auf vielerlei Wegen helfen. Erstens als Interessent meiner Schriften und zweitens als möglicher Arbeitgeber. Nicht zu vergessen drittens: ich erfüllte meine Statistik und meine Fallmanagerin ebenso.
Das sah und sieht alles nach einer Win-Win-Situation aus, oder?

Einen wunderbaren Überblick über die deutsche Zeitungslandschaft bietet im Übrigen www.zeitungen.de. Hier finden sich über 200 Zeitungsadressen wieder, genug Bewerbungsmaterial sozusagen. Ich schrieb also pro Monat um die acht Zeitungen an (Bsp. recht "Das Parlament", welche ich auch im Abo habe) und legte neben einem Lebenslauf, auch einen Probetext bei. Titel des Probetextes "Hat Marx gesiegt? - Die »Diktatur des Proletariats« ist erreicht". Wer könnte da zur Zeiten diverser Krisen widerstehen, ihn zu lesen?

Hinzu legte ich eine Briefmarke für 55 Cent (siehe rechts), denn ein Ausspruch des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln (1809-1865) war mir irgendwie sehr sympathisch: "Wenn du von einem Fremden etwas willst, was für dich von Interesse ist, so lege stets eine Briefmarke bei." Erfahrungsgemäß melden sich 50-60% der angeschriebenen Zeitungsblätter zurück, was eine m.E. sehr hohe Rücklaufquote ist. Freilich oder sagen wir "erwartungsgemäß" alle mit einer Ablehnung meines Gesuchs. Von diesen 50-60% senden sogar rund 80% die Briefmarke und die Bewerbungsunterlagen wieder zurück, insofern entstehen nur geringe "Mehrkosten", da diese weiterverwendet werden können.
 

Auch beim Bewerben hilft mitunter nur Entspannung ...

Ich gebe gern zu, dass das Heraussuchen der Zeitungsadressen usw. keine sehr inspirierende Sache ist, insbesondere, wenn man im erweiterten Freundeskreis mehrere Journalisten hat und weiß, wie die Arbeitsbedingungen als Journalist sein können. Mir halfen da parallel laufende YouTube-Videos als Inspiration. So u.a. "Live with me" von Massive Attack, welches eine alkoholabhängige junge Frau als Protagonistin hat. Mir kamen da Assoziationen zum alkoholabhängigen Arbeitslosen und ebenso der Gedanke, dass es unter der sog. erwerbstätigen Bevölkerung prozentual wohl mindestens so viel (latent) Alkoholabhängige gibt wie unter den Erwerbslosen. War ich gerade mal beim Trip-Hop, kam auch Portishead mit dazu ... und keine Ahnung, wie ich dann auf meine frühere Lieblingsgruppe aus Teenager-Zeiten The Cure kam und auch noch mit einem Titel wie "The Kiss"? So kurz vorm Ermüden und Einschlafen (für die Recherche sollte man sich schon mal ein paar Stunden Zeit nehmen), kam mir dann irgendwie "Free Love" von Depeche Mode in den Sinn.

Warum ich über KLF stolperte, war mir relativ schnell klar, denn Bill Drummond und Jimmy Cauty hatten nach ihrem "zusammengeschusterten" UK-No.-1-Hit "Doctorin’ the Tardis" von 1988 (damals als The Timelords) eine Art Handbuch all diejenigen geschrieben, die mal einen Charthit landen wöllten: The Manual (How to have a number one - the easy way) -> Wikipedia-Link.
The KLF hatten das Musikbusiness jahrelang studiert und wollten Millionen Leser weltweit ihre Erfahrungen mitteilen - was auch funktionierte. Nicht zuletzt bei ihnen selbst, denn 1991 waren sie die Band, die weltweit die meisten Singles verkauft hatte. Ein Satz aus diesem Handbuch blieb mir besonders im Gedächtnis "Zunächst einmal musst du arbeitslos und pleite sein ..." ... Schon als ich diese Worte aus der von "Arzt" Bela B. gelesenen Hörbuchversion vernahm, machte es bei mir klick 'Hey, die meinen ja dich ...' :)

Sicher werde ich mit dieser Art ARGE-Handbuch keine Millionen verdienen, war auch nie mein Anliegen. The KLF wollten das ursprünglich vielleicht auch nicht und als sie dann doch mehrere Millionen hatten, kamen sie im Jahr 1994 auf die Idee, auf der schottischen Insel "Isle of Jura" eine Million britische Pfund zu verbrennen ... Doch das ist eine andere Geschichte. Wen sie interessiert, dem empfehle ich die möglicherweise bekannten Internetseiten namens "Google" und "YouTube" ...
 



Anschreiben

Wenn möglich den Adressanten persönlich ansprechen, falls man den Namen schon kennt, und nicht wie ich es (bisher) tat mit "Sehr geehrte Damen und Herren" :)




Lebenslauf



Probetext




Alles zusammen genommen sind es
drei A4-Blätter. Das Gewicht des
Briefes bleibt unter 20 Gramm und kann somit für 55 Cent verschickt werden.
Ob ihr eine Briefmarke für die Rückantwort beilegt, bleibt natürlich Euch überlassen.




Ohne dass ich das so geplant hatte, wurden mir folgende zwei Briefmarken auf der Post angeboten. Eine mit dem Brandenburger Tor und die andere mit der Aufschrift "Danke".
Na, wenn das mal kein "Zufall" war :)


Zeitungsadressen
(Excel-Tabelle)

Diese Tabelle wird in den nächsten Wochen immer mal wieder aktualisiert werden.
Wer sie nutzen möchte kann dies gern tun. Begonnen wurde dem Alphabet folgend mit dem Buchstaben "A".

Für Spaß ist übrigens auch gesorgt.
Wer hätte z.B. gedacht, dass es eine "Allgemeine Laber-Zeitung" gibt ...
Nein, es handelt sich - wie ich später herausbekam um eine wirklich ernsthafte Zeitung mit Sitz im niederbayrischen Straubing und nicht etwa um eine Beschreibung des Inhaltes der Zeitung.



Dresdner Zeitungslandschaft

Die Dresdner Zeitungsredaktionen lassen sich im Übrigen auch sehr gut zu Fuß erreichen. Hält fit, spart Porto und so nebenbei kann man Dresden mal auf eine andere Art und Weise kennenlernen
(bei Klick auf Karte -> größere Auflösung).

Das "KLF-Prinzip" auf die ARGE übertragen

Naja, genug zur Musik ... jedenfalls ließe sich das "KLF-Prinzip" auch auf die ARGE übertragen. Stichpunktartig könnte die KLF-ARGE-Strategie ungefähr so aussehen:

1. Initiativbewerbungen bei Institutionen, Medienvertretern, Vereinen etc., ganz gleich aus welcher Branche ihr kommt bzw. euch bewerben wollt (Medien, Musik ... allgemein Kunst und Kultur) erfüllen nicht nur die ARGE-Regeln und -Forderungen, sondern können ebenso dabei helfen, etwas über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

2. eine Aufarbeitung eurer ARGE-Erfahrungen hat nicht nur den Sinn einer Bewerbung, sondern kann ebenso dem eigenen Verständnis komplexer Sachverhalte wie Arbeit, Arbeitsvermittlung, Ideenfindung, Selbstfindung usw. helfen. Im Grunde gehören all die hier vorgestellten Dinge unter eine Kategorie "Kreatives Schreiben" ... was auch immer alles dazu gehören mag. Andernorts kosten solche Therapien so einiges bis richtig viel Geld ... hier bekommt ihr die Therapie kostenfrei und sie zahlt sich garantiert aus.

3. Transparenz bzgl. euch selbst und dem Komplex ARGE-Arbeit-Gesellschaft trägt dazu bei, euch und eure Mitmenschen zu informieren, quasi euch selbst zu einem Teil der "vierten Säule" der Demokratie zu machen ... das optimale Medium hierfür ist das Internet (eine Homepage kostet z.T. gar nichts oder sehr wenig). Ihr seid weitestgehend unabhängig von anderen und könnt euch selbst verwirklichen, wenn auch nur erst einmal im Ansatz.

4. durch Win-Win-Situations (wie jene, welche hier zu schildern versucht wurde) können eigene Standpunkte und Ideen vermittelt werden, die FallmanagerInnen bei ihrer Arbeit entlastet werden und der Gesellschaft durch eine erhöhte Transparenz bzgl. bisher unklarer Sachverhalte zu einer Weiterentwicklung verholfen werden.

Wer diese Idee oder andere ausprobieren möchte, kann seine Erfahrungen gern an
michael_winkler(at)gmx.net schicken ... vielleicht ließe sich mittelfristig daraus ein Buchprojekt machen.

Ich wünsche insofern allen viel Erfolg bei der Durchführung dieser Arbeit und baue auf eine friedliche Koexistenz scheinbar widersprechender Interessen, die sich eigentlich gar nicht widersprechen, sondern ergänzen. Wir sitzen letztlich alle im selben Boot.

 


Erstellt am: 13.01.2009, ergänzt am 16.01.2009


 

Für zwischendurch oder hinterher - ein paar YouTube-Clips zum Entspannen oder Anspannen, wenn gewünscht ...

 

Massive Attack - "Live With Me"
 

Portishead - "Glory Box"
 

The Cure - "The Kiss" (live in Berlin 2002)
 

The KLF - "3 am Eternal"
 

Depeche Mode - "Free Love" (live - One Night in Paris)