Startseite

Piratige Songs ...

 

oder Wofür YouTube noch gut sein kann ...

 

Michael Winkler, Dresden, August 2009 ... wird laufend gehalten, wenn ich wieder was finde ;)

 

 

Wahlkämpfe haben mich jahrelang wohl eher ermüdet. Hunderte von Plakaten sind vier Wochen lang an allen nur erdenklichen Ecken der Städte und Dörfer sichtbar und nach zwei Wochen möchte man sich fast fragen: "Nimmt das überhaupt noch einer wahr?" Neben dem gehörigen Nachdenk- und Humorpotential einiger Plakate, bleiben dann noch Wahlveranstaltungen, bei denen Kandidaten ABC der Partei XYZ meist 90% Bekanntes und 10% Neues von sich geben, wobei auch hier nach höchstens zwei "events" dieser Art, das Gedächtnis schon stark der Frage nach geht "Wer hat denn jetzt eigentlich was gewollt?" und vielmehr wohl auch die Frage "Was hat dir denn besondere Bauchschmerzen bereitet?" übrig bleibt.

 

Insofern bringe ich einfach mal etwas Musik in den Wahlkampf ... und was bietet sich da mehr an als YouTube mit seinen Millionen Songs ... einige davon hier auf dieser Seite.
 


The KLF - America (What Time is Love?)

Zu meinem persönlichen Nr.-1-Piraten-Song zählt dieser Titel aus dem Jahr 1992. The KLF taten sich Mitte/Ende der 1980er Jahre vor allen Dingen durch gesampelte Songs hervor, wobei es u.a. zu einem Rechtsstreit mit ABBA kam.

Nach einem Nr.-1-Hit, "Doctorin' the Tardis", in England als The Timelords, schrieben sie eine Art Handbuch mit dem bezeichnenden Titel "How to have a number one (the easy way)" (online-Version).

Und wer versteht ein Handbuch besser als die Schreiber selbst?

1991 verkauften sie mit Hits wie u.a. "What Time is Love?", "3 am Eternal" und "Justified & Ancient" mehr Singles als jede andere Band.

"America (What Time is Love?)" erschien 1992 und das Video dürfte wohl an Piratigsein kaum zu überbieten sein ;) ...


 
Zazie - Rue de la Paix

Eine "Straße des Friedens" sieht sicher anders aus als in Zazie's Klon-Vision-Video zu "Rue de la Paix" von ihrem 2001er Album "La Zizanie".

Menschen mit Strichcode ... Dunkle Vision oder mögliche Zukunftsoption? ... Oui, je ne sais pas ...

Nitin Sawhney - Cold & Intimate

Eine etwas andere, langsamere Version des Titels vom 2001er Sawhney-Album "Prophecy".

Sawhney lebt in London und in ganz Großbritannien befindet sich um die 1,5 Millionen Überwachungskameras, deren wirklicher Nutzen bei der Verbrechensbekämpfung/-verhinderung nicht nur fragwürdig, sondern offenbar auch eher kontraproduktiv ist, da sich Menschen sicher fühlen, es jedoch nicht sind.

Interessantes neben Nitin Sawhneys Musik, u.a. zum Thema "Bombenattentat in Londoner U-Bahn 2005", findet man auch in diesem Interview "Ich traue diesen Politikern nicht".

 
Smoke City - Underwater Love

Kein typischer Piratensong, doch definitiv einer der auf vielerlei Weise kompatibel ist. Nicht nur ein Werbesong für Levi's-Jeans, sondern auch noch mit einer gesungenen Lebensweisheit für alle Menschen "After the rain comes sun, after sun comes rain, ..." usw.

Mehr braucht man zu diesem Song wohl nicht sagen, einfach der Stimme von Nina Miranda und der Musik ihrer Mitstreiter von Smoke City lauschen ... der Rest ergibt sich von selbst.

The Avalanches - Since I Left You

Das Album "Since I Left You" (im Jahr 2000 erschienen) der Australier The Avalanches soll angeblich - laut Wikipedia - mit rund 3.500 Vinylsampeln aufgenommen worden sein. Mir war eine Zahl von 900 im Hinterkopf ...

Wie dem auch sein mag, wen interessieren schon die genauen Quantitäten, wenn die Qualität stimmt ? ;)

Mein "Renner" vor zehn Jahren war "Flight Tonight" (YouTube-Link - ohne Video, nur Musik - trotzdem gut :)

Pet Shop Boys - Integral

Obwohl mir die PSB-Songs der 80er Jahre besser gefallen, gehört dieser Titel aus dem jahr 2007 wohl zu den weiteren innovativen Werken von Neil Tennant und Chris Lowe.

Kurze Textproben:

If you've done nothing wrong
You've got nothing to fear
If you've something to hide
You shouldn't even be here
...
We're concerned
You're a threat
You're not integral
To the project

Das Video ist nicht das Original, soweit ich mich erinnere ... möglicherweise/offenbar wurde es von YouTube entfernt.

Röyksopp - Vision One

Die Norweger veröffentlichten im Frühjahr 2009 mit "Junior" nicht nur eine weitere wunderbare Platte, die alle Vorurteile bezüglich der Kühle elektronischer Musik widerlegen dürfte, sondern verstecken auch "nette Botschaften" in ihren Texten.

"Vision One", gesungen von Bel-Canto-Sängerin Anneli Drecker, enthält u.a. seltsam merkwürdige Zeilen wie:

It's too late to think that we can worship human emotions
'Cause we've already evolved into machines in our minds.
*

Zu "Vision One" gibt es kein offizielles Video, nur mehrere mit Standbildern (wie diese hier) oder wie die mittelmäßig gute Aufnahme von einem Konzert im kroatischen Rijeka.


* Stellte sich mir die Frage, ob die Entscheidung über die "Vision One" und der nicht erwähnten "Vision Two" eine zwischen Maschinenmenschen und Menschmaschinen sein könnte ;)

Nena - Lass' mich dein Pirat sein

... keine Erklärung notwendig, vermute ich ;)

Ergänzung Juni 2010:
Der Song stammt im Übrigen aus dem Jahr 1984, erreichte damals mit Platz 53 nicht mehr die hohen Positionen der vorher veröffentlichten Songs, doch da sind wir wohl recht schnell wieder bei der Frage nach Quantität und Qualität - eine Frage, die sich die Piraten sicher auch häufig stellen ... wenn dem nicht so ist, dann wäre es vielleicht ganz gut ;)

Kurt Weill & Bertolt Brecht -
Seeräuber Jenny (Pirate Jenny)
aus der Dreigroschenoper

Seiner eigenen und der Neuzeit-Piraten-Zeit weit voraus und dennoch sehr nah, waren Kurt Weill und Bertolt Brecht, als sie
 Ende der 1920er Jahre die Dreigroschenoper schufen.

Einige Lieder - am bekanntesten ist wohl der Mackie-Messer-Song (Korrekterweise: Die Moritat von Mackie Messer) - wurden sozusagen Welthits und wurden nicht nur von Hildegard Knef, Nina Simone, Milva, Mireille Mathieu - um nur einige wenige zu nennen - gesungen.

Laut Wikipedia-Eintrag zur Dreigroschenoper wurden das Stück allein bis zu seinem Verbot durch die Nazis 1933, 10.000 Mal aufgeführt. Das heißt in viereinhalb Jahren, die Uraufführung hatte am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin stattgefunden, lief das Stück durchschnittlich
täglich sechs Mal irgendwo ... und war bereits in 18 Sprachen übersetzt.   

Nebenstehend eine Interpretation aus der Neuzeit - weitere Versionen findet ihr auf YouTube genügend - die wohl am ehesten zum Neuzeit-Piraten-Image, passt ;)


 

 


Erstellt am: 11.08.2009, aktualisiert 15.09.2009